Schlaganfall

Auf einen Blick

Häufigkeit – Rund 270.000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich einen Schlaganfall. Dies ist leider eine häufige Ursache für Tod oder bleibende Behinderung.

Hauptsymptome – Lähmungen, Gefühlsstörungen, Sprach- und Sehstörungen.

Diagnostik – CT, MRT, Gefäßdarstellung, Langzeit-EKG.

Behandlung – Akut: Gerinnsel-Entfernung medikamentös oder mechanisch, danach Stroke Unit (spezialisierte Schlaganfall-Station) und Rehabilitation sowie Vorbeugung vor weiteren Schlaganfällen.

Wichtig zu beachten – Auch bei flüchtigen Symptomen 112 wählen!
Durch die Behandlung von Gefäßrisikofaktoren und eine Lebensstiländerung lässt sich dem Schlaganfall effektiv vorbeugen!

Reinhören – Podcast „Schlaganfall: Wenn jede Minute zählt!“ mit Prof. Dr. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung e. V.

Anzeichen eines Schlaganfalls sind vor allem plötzlich auftretende neurologische Krankheitszeichen wie Seh- oder Sprachstörungen, Lähmungen oder Gefühlsstörungen im Gesicht oder an den Armen und Beinen. Oft ist nur eine Körperhälfte betroffen. Bei begründetem Verdacht sollte der Notarzt (Notrufnummer 112) gerufen werden.

Für das Erkennen eines Schlaganfalls ist der sog. FAST-Test hilfreich:

F wie „Face“ (Gesicht): Ist das Gesicht verzogen, hängt ein Mundwinkel herunter? Wenn der Betreffende nicht wie immer lächeln kann, ist das ein Hinweis auf eine Gesichtslähmung.

A wie „Arms“ (Arme): Beide Arme sollen nach vorn ausgestreckt mit den Handflächen nach oben gleichzeitig angehoben und waagerecht gehalten werden. Sinkt ein Arm ab oder dreht sich nach innen, deutet das auf eine Lähmung hin.

S wie „Speech“ (Sprache): Die Aussprache eines einfachen Satzes ist lallend oder verwaschen, Silben werden verwechselt, der Betroffene muss nach Wörtern suchen oder es werden falsche Buchstaben gesprochen. Im schlimmsten Fall ist der Befragte gänzlich „sprachlos“.

T wie „Time“ (Zeit): Tritt auch nur eines der beschriebenen Anzeichen akut auf − keine Zeit verlieren und sofort die 112 anrufen! Denn „Time ist Brain“. Das heißt, die Zeit bis zur Behandlung ist entscheidend, ob und wie die im Gehirn ausgelösten neurologischen Ausfälle wieder rückgängig gemacht und Körperfunktionen wiederhergestellt werden können.

 

Weitere Warnzeichen können sein:

  • (Dreh-)Schwindel und Unsicherheit beim Stehen, schwankender Gang, oder der Betroffene fühlt sich wie bei Seegang. Koordinationsstörungen, z. B. beim Greifen nach einem Gegenstand greift der Betreffende daneben.
  • Gestörtes Berührungsempfinden, Kribbeln in den Gliedmaßen, als wenn Ameisen darüber laufen, Taubheitsgefühl, die Haut (oft im Gesicht) fühlt sich „pelzig“ an.
  • Sehstörungen, z. B. Doppelbilder, Schwarzsehen bis hin zur Erblindung eines Auges; teilweise oder völlige Gesichtsfeldeinschränkung, Nichtsehen von Gegenständen oder lebenden Objekten auf einer Körperseite
  • Orientierungslosigkeit, Verwirrtheit
  • Ungewöhnlich starke Kopfschmerzen, möglicherweise verbunden mit Übelkeit und Erbrechen
  • Bewusstlosigkeit, Atmung und Puls setzen aus. Dann sind bis zum Eintreffen des Notarztes Wiederbelebungsmaßnahmen erforderlich.

 

Auch, wenn derartige Anzeichen nur kurzzeitig auftreten, könnten sie Zeichen einer Mangeldurchblutung sein und müssen ernst genommen werden. Sie können einen Schlaganfall ankündigen. Mediziner sprechen von einer Transitorisch Ischämischen Attacke (TIA). Eine medizinische Abklärung ist auch dann dringend erforderlich, wenn die Symptome zwischenzeitlich abklingen, denn TIAs sind oft Vorboten eines schweren Schlaganfalls. Wenn die Ursache der TIA erkannt und behandelt wird, kann der schwere Schlaganfall verhindert werden.

Auch bei nur gering ausgeprägten Schlaganfall-Symptomen, einem sog. „Minor Stroke“ oder „kleinen Schlaganfall“, muss eine rasche Untersuchung und Behandlung erfolgen. Ursächlich sind oft ein Gefäßverschluss oder eine Hirnblutung, die durch spezielle Bildgebung diagnostiziert werden können. Auch leichte neurologische Symptome sollte man unbedingt untersuchen lassen!

Bereits beim Anruf der 112 sollten die Symptome geschildert werden sowie die Vermutung, dass es sich um einen Schlaganfall handeln könnte. Denn die Leitstelle weiß dann, dass ein Krankenhaus mit einer sog. „Stroke Unit“ angefahren werden muss. Das ist eine spezialisierte neurologische Einrichtung an Kliniken zur optimalen Versorgung von Schlaganfällen. Diese sind personell und technisch genau für diese Art Notfälle ausgerüstet.

Ein Schlaganfall kann verschiedene Ursachen haben. Entsprechend unterschiedlich ist die Behandlung.

Die Mehrheit aller Schlaganfälle (ca. neun von zehn Schlaganfällen) ist auf eine Durchblutungsstörung bei Gefäßverschlüssen im Gehirn (Ischämie) zurückzuführen. Vordringliches Ziel der Behandlung ist hier die schnelle Wiederherstellung der Blutzirkulation, weil es beim ischämischen Schlaganfall, oft auch als Hirninfarkt bezeichnet. Durch den Verschluss oder die Verengung eines hirnversorgenden Blutgefäßes kommt es zur Minderversorgung eines Hirnareals mit Sauerstoff und lebenswichtigen Nährstoffen. Ein Pfropf (Thrombus) verstopft das Gefäß und das Blut kann nicht mehr richtig fließen, um die Gehirnzellen zu versorgen. Ursache sind häufig Blutgerinnsel aus vorgelagerten Gefäßen, z. B. aus den Halsgefäßen bei Ablagerungen an den Gefäßwänden (Arteriosklerose).

Oder, insbesondere bei Patienten mit Vorhofflimmern, verschließt ein aus dem Herzen mit dem Blutstrom angeschwemmtes Blutklümpchen ein Hirngefäß. Auch Herzklappenerkrankungen oder ein anlagebedingt offenes Foramen ovale (ein kleines Loch zwischen den Herzvorhöfen) können eine Rolle spielen.

Bei jüngeren Erwachsenen kann ein Gefäßwandriss mit Einblutung zwischen die Schichten der Gefäßwand ursächlich sein: Es handelt sich um die sog. Dissektion einer Arterie. Tritt dies im Bereich hirnversorgender Arterien auf (zervikale arterielle Dissektion/CAD), kann das einen Schlaganfall (Insult) auslösen. Bei der Moyamoya-Gefäßerkrankung treten anlagebedingt im jungen Erwachsenenalter Engstellen und Verschlüsse der Hirngefäße mit Hirninfarkten auf.

Die seltenere, dafür aber umso gefährlichere Ursache eines Schlaganfalls sind Einblutungen in das Hirngewebe aufgrund erkrankter Blutgefäße. Ein solcher hämorrhagischer Schlaganfall, oft auch als Hirnblutung bezeichnet, geht auf den Riss kleinerer Hirngefäße zurück, die oft durch einen langjährig bestehenden Bluthochdruck (Hypertonie) geschädigt sind. Mit zunehmendem Alter können auch Amyloidablagerungen (Amyloid ist eine stärkeähnliche Substanz) die Gefäße so schädigen, dass sie in der Folge dann einreißen.

Das Problem bei Hirnblutungen besteht darin, dass Blut in das umliegende Hirngewebe gelangt und dort die Nervenzellen zerstört. Hier gilt es bei der Behandlung, die Blutung und Flüssigkeitsausbreitung in das Hirngewebe zu stoppen und ggf. den steigenden Druck auf das Hirngewebe zu reduzieren.

Seltener kann eine sog. Subarachnoidalblutung einen Schlaganfall verursachen. In diesem Fall gelangt Blut meist aus einer Gefäßaussackung (Aneurysma) in den mit Hirnflüssigkeit gefüllten Subarachnoidalraum, d. h. in den Raum um Gehirn und Rückenmark. Das Aneurysma muss durch einen Katheter-Eingriff oder eine Operation verschlossen werden. Ursächlich können aber auch angeborene oder erworbene Gefäßfehlbildungen sein. Dazu zählen Angiome (gutartige tumorartige Gefäßneubildungen), Durafisteln (Gefäßkurzschluss zwischen Arterie und Vene) oder Kavernome (gutartige Venenmissbildung).

Letztendlich gibt es aber auch Schlaganfälle, deren Ursache nicht geklärt werden kann und die häufig auch bei jüngeren Menschen auftreten. Der Mediziner spricht dann von einem kryptogenen Schlaganfall. Experten vermuten kleine Blutgerinnsel (Embolien) unbekannten Ursprungs (ESUS: „embolic stroke of undetermined source“, heißt embolischer Schlaganfall ungeklärter Ätiologie). In solchen Situationen müssen spezielle diagnostische Verfahren, beispielsweise unter die Haut implantierte Ereignisrecorder zum Nachweis eines ab und zu auftretenden Vorhofflimmerns, angewendet werden.

Bei einer Thrombose der Hirnvenen (Sinusvenenthrombose, d. h. Verschluss der ableitenden Hirngefäße) kommt es zu einer venösen Abflussstörung und Stauungsblutungen.

Bei einer Entzündung der Hirngefäße (Vaskulitis) kann es sowohl zu Hirninfarkten als auch zu Blutungen kommen.

Es sind vor allem „Wohlstandserkrankungen“, die Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) sowohl an kleineren Hirngefäßen (Mikroangiopathie) als auch an größeren Gefäßen (Makroangiopathie) wie der Halsschlagader nach sich ziehen. Diese können dann langfristig zu Gefäßverschlüssen und zu Schlaganfällen führen.

Die wesentlichen Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind Bluthochdruck (Hypertonie), Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Zigarettenrauchen und Fettstoffwechselstörungen (Hypercholesterinämie).

Der wichtigste Risikofaktor ist dabei der Bluthochdruck, weil er sowohl zu Hirninfarkten als auch zu Hirnblutungen führen kann. Wenn ein Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen zusammenkommen, spricht man auch vom sogenannten metabolischen Syndrom, bei dem der Stoffwechsel z. T. erheblich gestört ist. Ausgelöst und verstärkt wird das metabolische Syndrom und somit auch das Risiko für Schlaganfälle durch Übergewicht (insbesondere ein hoher Taille-Hüft-Quotient), Bewegungsmangel, und Fehlernährung. Auch Alkoholkonsum und/oder psychischer Stress erhöhen das Schlaganfallrisiko. Werden Bluthochdruck als größter Risikofaktor, Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen gut behandelt, wird auf das Rauchen verzichtet und durch konsequente Lebensstilveränderung das metabolische Syndrom korrigiert, kann das Schlaganfallrisiko drastisch gesenkt werden.

Hinzu kommt als weiterer Schlaganfall-Risikofaktor eine bestimmte Form der Herzrhythmusstörung, die absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern. Wenn die Vorhöfe nicht mehr richtig pumpen, sondern nur „flimmern“, können sich dort Blutgerinnsel (Thromben) bilden, die dann vom Herzen mit dem Blutstrom in die Gehirnarterien gelangen und dort Gefäßverschlüsse, also akute Schlaganfälle, auslösen können. Wenn neben dem Vorhofflimmern noch eine koronare Herzerkrankung oder eine Herzinsuffizienz bestehen, wie es häufig bei älteren Menschen der Fall ist, erhöht sich das Schlaganfallrisiko zusätzlich.

Bei Frauen kann außerdem auch der Hormonhaushalt einen Einfluss auf das Schlaganfallrisiko haben. Vor der Einnahme von Verhütungspräparaten oder von Hormonpräparaten in der Menopause sollte vor allem bei ungünstigen Begleitumständen (Lebensstil!) oder familiärer Vorbelastung dies im Gespräch mit der Gynäkologin/dem Gynäkologen angesprochen werden.

Die Gefahr, einen Schlaganfall mit all seinen gefürchteten Folgen zu erleiden, kann man jedoch durch Prävention auch abwenden. Geeignete Maßnahmen sind:

  • Regelmäßige Checkups beim Hausarzt zur Überprüfung von Blutdruck, Laborwerten und EKG,
  • falls erforderlich, das Befolgen einer medikamentösen Therapie (Blutdrucksenker, Lipidsenker, Antidiabetika, Blutverdünner etc.),
  • ein regelmäßiges Bewegungsprogramm (Ausdauersport mindestens dreimal pro Woche für 30 Minuten),
  • eine angemessene Ernährungsumstellung mit wenig Zucker und rotem verarbeitetem Fleisch, mehr gesunden Fetten, Molkerei- und Vollkornprodukten, Nüssen und Samen, viel Gemüse, Obst, Salat und Fisch sowie
  • Nikotin- und weitgehender Alkoholverzicht.

Der Verlauf hängt wesentlich von dem Erfolg der Behandlung in den ersten Stunden nach Symptom-Beginn ab! Wird innerhalb der ersten Stunden nach Symptom-Beginn ein ischämischer Schlaganfall behandelt, ist eine vollständige Heilung möglich.

Dennoch: Bei sehr schweren Schlaganfällen oder bei zu später Behandlung sind neurologische Ausfälle als Krankheitsfolgen häufig und müssen gezielt behandelt, korrigiert und versorgt werden.

Immer gilt: Ein Schlaganfall ist eine sehr ernste, lebensbedrohliche Erkrankung. Ausgedehnte Hirninfarkte, Blutungen sowie deren Komplikationen können zum Tod führen.

Um zu unterscheiden, ob es sich um einen Hirninfarkt (ischämischer Schlaganfall) oder um eine Hirnblutung handelt, werden bildgebende Untersuchungen durchgeführt. Dabei handelt es sich um Schichtaufnahmen des Gehirns, entweder mittels Computertomographie (CT) oder mittels Kernspin- bzw. Magnetresonanztomographie (MRT). Meist erfolgt dabei auch eine Darstellung der hirnversorgenden Gefäße (CT- oder MR-Angiographie). Alternativ kommt hierzu auch eine Ultraschalluntersuchung (Duplexsonographie) infrage.

Darüber hinaus erfolgt eine Laboruntersuchung des Bluts. Die Laboruntersuchung dient unter anderem der Beurteilung der Gerinnung und des Stoffwechsels.

Des Weiteren wird immer ein EKG zum Nachweis bzw. Ausschluss eines Vorhofflimmerns als Schlaganfallursache durchgeführt.

Akuttherapie

Etwa vier von fünf Schlaganfällen sind ischämischer Natur, d.h. es kommt durch den Verschluss oder die Verengung eines hirnversorgenden Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel (sogenannter Thrombus) zur Unterversorgung eines Hirnareals mit Sauer- und Nährstoffen. In der Folge entstehen die neurologischen Ausfälle (wie z.B. Sprachstörungen, Schwindel oder Lähmungserscheinungen). Ischämische Schlaganfälle werden auch als „Hirninfarkt“ bezeichnet. Bei leichten Schlaganfällen gehen die neurologischen Ausfälle binnen einer Woche zurück, bei einem „Mini-Schlaganfall“ (sogenannte transitorische ischämische Attacke) sogar innerhalb von 24 Stunden.

Seltener sind hämorrhagische Schlaganfälle, die auch als Hirnblutungen bezeichnet werden. Wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt, kommt es zu Einblutungen in das Gehirn mit einer Schädigung des Hirngewebes. Das betroffene Areal wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und es kommt zu neurologischen Ausfällen. Hinzu komm bei Hirnblutungen, dass zusätzlich eine Hirnschwellung auftreten kann.

Ziel der Akuttherapie ist, die Versorgung betroffener Hirnregionen schnellstmöglich wiederherzustellen, damit es nicht zu bleibenden Schäden kommt. Noch immer sind Schlaganfälle die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für körperliche Langzeitbeeinträchtigungen im Erwachsenenalter.

Akuttherapie Hirninfarkt

Bei einem ischämischen Schlaganfall muss das durch ein Blutgerinnsel akut verstopfte Gefäß so schnell wie möglich wiedereröffnet werden. Dies kann durch eine medikamentöse Therapie erfolgen, die als Thrombolyse (kurz auch: „Lyse“) bezeichnet wird. Hier werden intravenös Medikamente verabreicht, die das Blutgerinnsel auflösen, damit das Gefäß wieder eröffnet wird und die dahinterliegenden Bereiche ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden können.

Reicht eine Lysetherapie zur Auflösung des die Arterie verstopfenden Blutgerinnsels nicht aus, gibt es die Möglichkeit der sogenannten Thrombektomie, einem Eingriff, bei dem das Blutgerinnsel mechanisch entfernt wird. Dabei werden meist Katheter verwendet, die an ihrer Spitze ein Drahtgeflecht (Stent) besitzen. Diese Katheter werden so weit in das Hirngefäß vorgeschoben, dass sie hinter den Thrombus zu liegen kommen. Dann wird das Gittergeflecht an der Stelle des Thrombus entfaltet, so dass sich das Gerinnsel darin verfängt. Danach wird der Katheter zurückbewegt und der Thrombus so im Ganzen aus dem Gefäß entfernt.

Akuttherapie Hirnblutung

Zunächst wird versucht, die Ausbreitung der Blutung zu bremsen, durch Senkung des Blutdrucks und ggf. den Einsatz gerinnungsaktiver Medikamente. Bei ausgedehnten Hirnblutungen wird operiert. Ziel des neurochirurgischen Eingriffs ist, ausgetretenes Blut, das auf das Gehirn drückt, zu entfernen.

Faktor Zeit

Ein Schlaganfall muss so schnell wie möglich behandelt werden – jede Minute zählt. Es gilt das Motto „time is brain“, damit es nicht zu bleibenden Schäden durch Absterben von Gehirnzellen kommt. Je schneller die Behandlung erfolgt, desto höher sind die Chancen auf eine weitgehende oder vollständige Genesung. Keiner sollte also zögern, sondern sofort, wenn man die typischen Symptome eines Schlaganfalls bemerkt, den Notruf zu wählen.

Grundsätzlich sollte die Lysetherapie innerhalb von 4,5 Stunden nach Beginn der Schlaganfallsymptome begonnen werden. Neue Studien haben gezeigt, dass unter bestimmten Umständen eine Lysetherapie auch noch später erfolgreich sein kann. Um das zu beurteilen, wird eine erweiterte Bildgebung (Schlaganfall-MRT oder Perfusions-CT) durchgeführt.

Vor allem beim Verschluss großer Hirngefäße erfolgt eine Thrombektomie. Diese sollte auch so früh wie möglich begonnen werden, kann aber auch noch 8 Stunden nach Symptombeginn erfolgreich sein.

In Berlin läuft derzeit ein Modellprojekt mit sogenannten STroke Einsatz-MObilen (STEMO). Das sind speziell konzipierte Rettungswagen, die mit einem Computertomographen und einem Minilabor ausgerüstet sind. Vorteil: Alle Untersuchungen inklusive mit Bildgebung und Notfalllabor erfolgt im STEMO bereits vor dem Transport in die Klinik. Es kann sogar die Thrombolyse, die medikamentöse Therapie zur Auflösung des ursächlichen Blutgerinnsels, bereits im Wagen begonnen werden. Eine Pilotstudie konnte zeigen, dass durch den Einsatz der Mobile bessere Therapieergebnisse erreicht wurden.

Durch die Etablierung von sogenannten Stroke-Units, also auf die Behandlung von Schlaganfallpatientinnen und -patienten spezialisierten Abteilungen, die auch darauf getrimmt sind, die notwendige Diagnostik schnell durchzuführen, konnte in den vergangenen 15 Jahren eine deutliche Reduzierung der Sterblichkeitsrate von Schlaganfällen sowie der Rate an Patientinnen und Patienten mit schweren Behinderungen als Langzeitschäden erreicht werden.

Folgetherapie

Die Frührehabilitation mit Krankengymnastik, Ergo- und Sprachtherapie unterstützt die Rückbildung neurologischer Ausfälle. Sie beginnt bereits auf der Stroke Unit und ist individuell auf die Schädigungen, zu denen der Schlaganfall bei der Patientin/dem Patienten geführt hat, ausgerichtet.

Wenn Ausfälle bestehen bleiben, schließt sich eine ambulante oder stationäre Rehabilitationsmaßnahme an.

Nach einem ischämischen Schlaganfall, auch bei einem „Mini-Schlaganfall“ (TIA), erfolgt eine therapeutische Beeinflussung der Blutgerinnung, um das Risiko zu minimieren, dass sich ein neues Blutgerinnsel bildet und zu einem Folgeschlaganfall führt. Oft wird dafür Aspirin/ASS eingesetzt, da es die Blutplättchenbildung hemmt. Wenn ein Vorhofflimmern ursächlich war, erfolgt die sogenannte Antikoagulationstherapie. Dabei gibt es verschiedene Substanzklassen, die die Blutgerinnung hemmen.

Bei Patientinnen und Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, ist das Risiko für Folgeschlaganfälle erhöht. Die Risikofaktoren für Folgeschlaganfälle sind die gleichen wir beim Erstschlaganfall. Betroffene sollten also alles daransetzen, bestehende Risikofaktoren zu beheben.

Wichtig ist die medikamentöse Einstellung von Blutdruck, Diabetes mellitus und Cholesterin. Die behandelnden Ärzte und Ärztinnen verschreiben dafür Medikamente, die wie verordnet eingenommen werden sollten.

Vieles haben Schlaganfallpatienten/-patientinnen selbst in der Hand. Durch eine Umstellung des Lebensstils kann das Auftreten von Folgeschlaganfällen deutlich gesenkt werden:

  • Normalisierung des Körpergewichts
  • Gesunde Ernährung (mediterrane Kost)
  • Ausreichend Bewegung/Sport
  • Nichtrauchen
  • Verzicht auf Alkohol
  • Stressreduktion

Wenn es gelingt, in der Notfallsituation das verstopfte Gefäß wieder zu eröffnen, besteht die Chance der vollständigen Heilung. Alle anderen Maßnahmen zielen auf eine Schadensbegrenzung. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für eine bleibende Behinderung. Entscheidend ist der Einsatz aller Möglichkeiten, um den Betroffenen ein unabhängiges und selbstständiges Leben zu ermöglichen.

Entscheidend ist, dass Betroffene und ihre Angehörigen und Bezugspersonen die verbleibenden neurologischen Symptome verstehen und mit ihnen umgehen lernen. Bei einer Sprachstörung (Aphasie) können Sprachverständnis und/oder Sprachkodierung gestört sein; bei einer Sprechstörung (Dysarthrie) sind die Sprechmuskeln beeinträchtigt – Logopäden trainieren die Kommunikation. Gesichtsfeldausfälle oder eine Aufmerksamkeitsstörung (sogenanntes Neglect) führen zu Einschränkungen der Verkehrstauglichkeit und können auch die Wahrnehmung und Orientierung im häuslichen Umfeld beeinträchtigen. Lähmungen und Spastik begrenzen den Einsatz der betroffenen Gliedmaßen, meist mehr des Armes und der Hand als des Beines. Dies bedarf einer gezielten Krankengymnastik, ggf. aber auch einer medikamentösen oder Spritzentherapie und des Einsatzes von Hilfsmitteln. Die Ergotherapie hilft bei der Feinmotorik und beim (Wieder-)Erlernen vom Arbeiten mit Gegenständen. Koordinationsstörungen können Zielbewegungen und das Gehen beeinträchtigen. Es muss ein gezieltes Training erfolgen.

Für die Betroffenen ist es oft extrem frustrierend, wenn sprachliche Kommunikation nicht gelingt oder wenn auf bestehende Handicaps nicht oder falsch eingegangen wird. Die Beratung von betreuenden Personen über den richtigen Umgang mit den Betroffenen ist daher enorm wichtig. Oft hilft es Betroffenen, sich mit anderen z.B. innerhalb von Selbsthilfegruppe auszutauschen.

Viele Patientinnen und Patienten entwickeln in Folge des Schlaganfalls eine Depression, da sich ihr Leben massiv verändert hat und sie mit Folgen oder gar schweren Behinderungen leben müssen. Eine Depression ist eine schwere Erkrankung, die von Anfang an konsequent behandelt werden muss. Angezeigt sind dann eine Psychotherapie und oft auch eine medikamentöse Therapie mit sogenannten „Antidepressiva“.

Bei der Subarachnoidalblutung aus einem Aneurysma sind extrem schlimme Kopfschmerzen das Hauptsymptom. Auch Gefäßverkrampfungen (Vasokonstriktionssyndrom) führen zu Kopfschmerzen und können Schlaganfälle auslösen. Wenn es zu einem Einriss der Wand von Halsgefäßen kommt (Dissektion), treten halbseitige Kopfschmerzen auf. Bei der Dissektion und dem Vasokonstriktionssyndrom gehen die Kopfschmerzen dem eigentlichen Schlaganfall voraus.

Grundsätzlich können auch Gefühlsstörungen erstes Symptom eines Schlaganfalls sein, vor allem, wenn sie eine Gesichts- oder Körperhälfte betreffen. Bei Ihren Beschwerden sollte aber auch an ein Karpaltunnelsyndrom gedacht werden. Eine neurologische Untersuchung ist erforderlich.

Die sogenannten neuen oralen Antikoagulanzien (NOACs), zu denen dieses Präparat zählt, wirken genauso gut wie Marcumar und haben den Vorteil, dass sie in einer fixen täglichen Dosis genommen werden können und keine regelmäßigen Blutkontrollen erforderlich sind. Während das Risiko von Hirnblutungen bei NOACs geringer als bei Marcumar ist, kommen Blutungen an anderer Stelle häufiger vor.

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Autor: Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN
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