Schlafstörungen

Auf einen Blick

Häufigkeit –  Etwa 15 % der Weltbevölkerung leiden unter chronischen Schlafstörungen. Es werden 80 Formen von Schlafstörungen unterschieden.

Hauptsymptome – Hauptsymptome sind das Gefühl des nicht erholsamen Nachtschlafs, eine ausgeprägte Tagesschläfrigkeit oder eine starke Tageserschöpfung.

Diagnostik – Schlafstörungen werden durch eine ausführliche Anamnese, in der die Schlafgewohnheiten, die Schlafumstände und die am Tag bestehenden Symptome erfragt werden, diagnostiziert. Technische Verfahren wie die Schlafableitung zu Hause (sog. Polygraphie) oder die Schlafableitung im Schlaflabor (sog. Polysomnographie) kommen gezielt zur Anwendung.

Behandlung –  Die Behandlung orientiert sich an der Art der Schlafstörung. So werden Medikamente z. B. bei der Narkolepsie, Atemgeräte bei nächtlichen Atmungsaussetzern wie dem Apnoe-Syndrom oder eine Verhaltenstherapie bei der chronischen Ein- und Durchschlafstörung eingesetzt.

Wichtig zu beachten –  Schlafstörungen werden häufig als Befindlichkeitsstörungen verkannt. Dadurch können sich eine angemessene Diagnose und Behandlung verzögern.

Wichtiges Leitsymptom ist die Erschöpfung am Tag, die zum Teil verbunden ist mit ausgeprägter Tagesschläfrigkeit und dem Gefühl des unerholsamen Nachtschlafs. Die unterschiedlichen Schlafstörungen können andere schlafbezogene Symptome zeigen wie z.B. nächtliches Schnarchen, nächtliche Atempausen oder eine nächtliche Bewegungsunruhe. Für die häufigste Schlafstörung überhaupt, die chronische Ein- und Durchschlafstörung, sind das nächtliche Wachliegen oder das erschwerte Einschlafen mit dem morgendlichen Gefühl, möglicherweise sehr wenig oder gar nicht geschlafen zu haben, typisch.

Schlafstörungen haben sehr unterschiedliche Ursachen. Sie können anlagebedingt sein. Es gibt aber auch die Kombination von genetischen Ursachen mit äußeren Faktoren wie Übergewicht, z. B. für die schlafbezogenen Atmungsstörungen. Schlafstörungen können auch bei anderen Erkrankungen als Begleitsymptom oder Folgestörung auftreten wie bei Depressionen oder neurologischen Erkrankungen.

Die wichtigsten Risikofaktoren für die häufigen schlafbezogenen Atmungsstörungen sind hohes Lebensalter, männliches Geschlecht, Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei der Narkolepsie spielen vorhergegangene Infekte eine Rolle. Bei den schlafbezogenen Atmungsstörungen (Schlafapnoe) sind Präventionsmaßnahmen wie eine Normalisierung des Gewichts, die Korrektur von Gefäßrisikofaktoren sowie regelmäßige körperliche Bewegung entscheidend. Für die große Gruppe von Ein- und Durchschlafstörungen gilt ein regelmäßiger Schlaf-wach-Rhythmus mit ausreichender körperlicher Bewegung als Präventionsmaßnahme.

Schlafstörungen sind häufig chronische Erkrankungen, die in der Regel eine dauerhafte Therapie, sei es medikamentös, apparativ oder verhaltenstherapeutisch, benötigen.

Die wichtigsten diagnostischen Möglichkeiten für die Diagnose einer Schlafstörung sind das Gespräch und die sorgfältige Anamneseerhebung. Als technische Hilfsmittel dienen Screeningverfahren auf das Vorliegen von Schlafapnoe (sog. Polygraphie), die Schlaflaboruntersuchung, in der eine Schlafableitung (sog. Polysomnographie) kombiniert wird mit Bewegungsmessungen (Aktimetrie). Blut- und Nervenwasseruntersuchungen können bei einigen seltenen Schlafstörungen diagnostisch notwendig werden (z. B. Narkolepsie).

Aufgrund der unterschiedlichen Formen von Schlafstörungen gibt es auch unterschiedliche Therapiemöglichkeiten. Die schlafbezogenen Atmungsstörungen werden durch apparative Therapien, wie z. B. Atmungsgeräte mit sogenannter Maskenatmung, behandelt. Bei der großen Gruppe der Insomnien (chronische Ein- und Durchschlafstörungen) werden eine kognitive Verhaltenstherapie und nur vorübergehend auch Medikamente eingesetzt. Für zahlreiche seltene Schlafstörungen gibt es sehr spezifische Therapieverfahren, die in schlafmedizinischen Zentren zur Verfügung stehen.

Die allermeisten Schlafstörungen sind chronische Erkrankungen, bei denen eine tatsächliche Heilung nicht möglich sind. Die Therapien sind fast ausnahmslos symptomatische Therapien, d. h., durch medikamentöse Behandlungen, apparative Behandlungen oder psychotherapeutische und verhaltenstherapeutische Maßnahmen werden die Symptome der Erkrankung gemildert und das Leben mit der Erkrankung wird erleichtert.

Ein wichtiger Faktor für den Umgang mit Schlafstörungen im Alltag ist die Erkenntnis, dass es sich um eine relevante Erkrankung und nicht um eine Befindlichkeitsstörung handelt. Patienten mit Schlafstörungen müssen sich bewusst mit ihrer Tagesschläfrigkeit auseinandersetzen, da hiervon ihre Leistungsfähigkeit und ihr Wohlbefinden abhängen. Es gibt verschiedene Selbsthilfegruppen, die bei den unterschiedlichen Schlafstörungen Hilfestellung bieten.

Autor: Prof. Dr. Peter Young, Ärztlicher Direktor, Chefarzt der Klinik für Neurologie Medical Park Bad Feilnbach Reithofpark, Klinik für Neurologie

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