Schlafapnoe-Syndrom

Auf einen Blick

Häufigkeit – Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom hat eine altersabhängige Häufigkeit von 6 bis 12 % in der Normalbevölkerung. Die Häufigkeit von anderen Formen eines Schlafapnoe-Syndroms (zentrales Schlafapnoe-Syndrom, gemischtes Schlafapnoe-Syndrom) ist nicht genau definiert.

Hauptsymptome – Die wichtigsten Symptome eines Schlafapnoe-Syndroms sind ausgeprägte Tagesschläfrigkeit, Erschöpfung, eingeschränkte Leistungsfähigkeit am Tage sowie morgendliche Kopfschmerzen beim Aufwachen. Die nächtlichen Symptome (lautes Schnarchen und Atempausen) sind häufig für die Patienten selbst nicht bemerkbar.

Diagnostik – Neben den Fragen nach Schnarchen und Atempausen, die durch Zimmer- oder Bettpartner bemerkt werden, ist die wichtigste Diagnostik eine Polygraphie, d. h. eine ambulante Langzeituntersuchung von Atmung, Sauerstoffsättigung und Herzfrequenz in der Nacht. Als Goldstandard für die Diagnosestellung wird die Polysomnographie im Schlaflabor angesehen, bei der neben der Atmung immer auch Hirnströme (EEG) gemessen werden, sodass genau festgestellt werden kann, ob ein Patient geschlafen hat oder nicht.

Behandlung – Versorgung mit nächtlicher Atmungsmaske (CPAP = continuous positive airway pressure) oder alternativ mit einer Schiene, die eine leichte Vorverlagerung des Unterkiefers bewirkt. In seltenen Fällen ist auch eine elektrische Therapiestimulation eines Nerven am Mundboden möglich, der zu einer Verringerung der Apnoen führen soll.

Wichtig zu beachten – Das Schlafapnoe-Syndrom ist sehr häufig bei unterschiedlichen neurologischen Erkrankungen zu finden. Insbesondere bei Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, besteht eine Häufigkeit von über 60 Prozent.

Die Symptome eines Schlafapnoe-Syndroms zeigen sich in erster Linie am Tage. Hier besteht aufgrund der zahlreichen nächtlichen Atempausen eine ausgeprägte Tagesschläfrigkeit mit verminderter Leistungsfähigkeit. Patienten mit einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom haben oft am Morgen das Gefühl, komplett unausgeschlafen zu sein, und der Nachtschlaf ist insgesamt nicht erholsam. Zusätzlich können nachts kurzfristige Schweißattacken, Herzschlagbeschleunigungen und ein wiederholtes Aufwachen bestehen.

Die Ursache des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms ist die krankhaft zunehmende Verengung der Schlundregion, die in der Nacht beim Liegen dazu führt, dass Ein- und Ausatmung vorübergehend erschwert oder unmöglich sind. Eine massive Zunahme des Drucks im Brustkorb und vermehrte Atemanstrengung führen zu einer Wiedereröffnung der Schlundmuskulatur, häufig mit Schnarchgeräuschen und lautem Einatmen. Eine Vorstufe des Schlafapnoe-Syndroms kann nächtliches Schnarchen darstellen. Dabei ist der Schlund so verengt, dass es zu einer Verminderung von Atemzug und Atemtiefe kommt. Die Enge des Schlundes erzeugt dann die typischen Schnarchgeräusche. Zusätzliche Faktoren können abendlicher Alkoholkonsum sein oder auch die Einwirkung verschiedener Medikamente wie z. B. Schlafmedikamente, die eine Herabsetzung der Muskelspannung der Schlundmuskeln erzeugen.

Wichtige Risikofaktoren für ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom sind männliches Geschlecht, Übergewicht, Lebensalter über 55 Jahre, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und Schlaganfälle. Auch Lungenerkrankungen wie die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Fehlbildungen oder muskuläre Veränderungen im Bereich des Brustkorbs gelten als Risikofaktoren für ein Schlafapnoe-Syndrom. Ein Schlafapnoe-Syndrom kann familiär gehäuft auftreten, wobei die genetischen Faktoren im Einzelnen noch nicht bekannt sind.

Beim zentralen Schlafapnoe-Syndrom ist die Atmungssteuerung durch das Gehirn beeinträchtigt, Auslöser sind neurodegenerative Erkrankungen, entzündliche Hirnerkrankungen und Schlaganfälle. Auch eine ausgeprägte Herzpumpschwäche (Herzinsuffizienz) kann die Ursache sein.

Ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom ist eine chronische Erkrankung, die nicht medikamentös zu heilen ist. Die Reduktion von Übergewicht führt in der Regel nicht zur Beseitigung eines obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms, aber immerhin zu einer Reduktion der Dauer der nächtlichen Atempausen.

Zunächst muss die schlafmedizinische Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) mit Fragen nach nächtlichem Schnarchen oder Atemgeräuschen und den Tagessymptomen wie Tagesschläfrigkeit erfolgen. Zur Ermittlung der Tagesschläfrigkeit werden verschiedene Fragebögen eingesetzt.

Dann erfolgt die Screening-Untersuchung mit einem Polygraphie-Gerät im häuslichen Umfeld. Mit diesem Gerät werden die nächtlichen Atembewegungen der Brust- und Bauchmuskulatur registriert. Die Sauerstoffsättigung und die Atemzüge werden über einen Sensor, der vor der Nase liegt, gemessen.

Kommt es hierbei zur Aufzeichnung von mehr als 10 Atempausen pro Stunde, die jeweils länger als 10 Sekunden dauern, wird eine Schlaflaboruntersuchung veranlasst, bei der neben der Ableitung der Atmungsaktivitäten in der Nacht zusätzlich Hirnströme (EEG) aufgezeichnet werden. Ebenso erfolgen bei der Polysomnographie im Schlaflabor die Aufzeichnung von Muskelbewegungen und eine Videoaufzeichnung, um ein komplettes Bild über den nächtlichen Schlaf zu erhalten. Der Vorteil der Polysomnographie gegenüber der Polygraphie ist, dass die Atemaussetzer den unterschiedlichen Schlafstadien zugeordnet werden können. Anhand der Schlaflabor-Untersuchung kann festgestellt werden, wie viele Atempausen pro Stunde pro Nacht, gemessen am Gesamtschlaf, bestehen, sodass ein Quotient errechnet wird für die Atempausen pro Stunde. Bei Werten über 10 Atempausen pro Stunde muss eine Therapie eingeleitet werden.

Für die Behandlung eines Schlafapnoe-Syndroms stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung. Am häufigsten wird die kontinuierliche Überdruckatmung eingesetzt („continuous positive airway pressure“ – abgekürzt: CPAP). Dieses Verfahren wendet eine Maske an, die mittels eines Schlauchs mit einem kleinen Kompressor (Atemgerät) verbunden ist. Dieses Gerät versorgt den Mund-Nasen-Raum mit einem etwas erhöhten Druck, sodass es nicht zum Zusammenfallen der Schlundmuskulatur kommen kann. Zur Applikation stehen unterschiedliche Maskensysteme zur Verfügung, die entweder nur die Nase oder Mund und Nase bedecken.

Eine weitere Therapieoption ist die sog. Unterkiefer-Vorverlagerungsschiene. Mit dieser Schiene wird der Unterkiefer um wenige Millimeter beim nächtlichen Schlafen nach vorne gezogen und das führt zu einer
Reduktion der Anzahl von Atempausen, weil durch dieses Vorziehen des Unterkiefers eine leichte Erweiterung der Schlundregion entsteht. Das Verfahren wird jedoch nur für Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Schlafapnoe-Syndrom empfohlen. Die Einstellung erfolgt in Kooperation mit einem Zahnarzt.

Patienten, die nicht mit CPAP oder durch eine Unterkiefer-Vorverlagerungsschiene zu behandeln sind, können mit einem sog. Zungenschrittmacher behandelt werden. Dieser Zungenschrittmacher aktiviert regelmäßig einen Nerv am Zungenboden, der dann zu einer Erhöhung der Muskelspannung am Zungengrund führt, sodass so der Kollaps der Schlundmuskulatur reduziert oder komplett vermieden wird. Dieses Verfahren bewirkt eine Reduktion der Atempausen um mehr als die Hälfte. Dieses Verfahren ist ein operatives Verfahren, das etwa der Anlage eines Herzschrittmachers entspricht. Es soll nur bei Patienten angewandt werden, die nachgewiesenermaßen nicht mit einer CPAP-Therapie oder mit einer Unterkiefer-Vorverlagerungsschiene behandelbar sind. Wichtige begleitende Maßnahmen stellen die Gewichtsreduktion sowie die Reduktion von anderen Risikofaktoren dar.

Ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom ist nicht heilbar; es ist eine dauerhafte Erkrankung. Eine Gewichtsreduktion kann jedoch die notwendigen Druckeinstellungen in der CPAP-Therapie reduzieren.

Im Umgang ist für Patienten mit einem Schlafapnoe-Syndrom wichtig zu wissen, dass das Risiko des plötzlichen Einschlafens am Tage gegeben ist und daher Fahruntauglichkeit besteht. Unter der Therapie sollte sich spätestens nach sechs Wochen eine Besserung der Tagesschläfrigkeit einstellen, sodass wieder eine Fahrtauglichkeit festgestellt werden kann. Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom ist auch ein relevanter Risikofaktor für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen, weshalb auch deshalb eine Therapie dringend empfohlen wird.

Ein Schlafapnoe-Syndrom führt bei einem Großteil der Betroffenen zu einer exzessiven Tagesschläfrigkeit, wodurch eine Gefährdung im Straßenverkehr und bei anderen täglichen Verrichtungen bestehen kann. Da ein Schlafapnoe-Syndrom auch ein wichtiger Risikofaktor für die Ausbildung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfällen oder internistischen Komplikationen wie die Verschlechterung eines Diabetes mellitus ist, muss eine Therapie zwingend erfolgen.

Die nächtliche Atemtherapie ist mittlerweile so einfach, dass sie die Patienten selbst anwenden können. Die Patienten sollten kurz vor dem Einschlafen die Maske aufsetzen und das Gerät einschalten. Die Anwendung eines CPAP-Geräts wird mit dem Patienten in der Klinik und durch ambulante Besuche trainiert. Für Reisen sind die Geräte mit Akkus versorgt und auch bei Flugreisen ist beim Personal bekannt, dass es sich hier um ein medizinisches Therapiegerät handelt.

Eine wichtige Maßnahme ist die Reduktion von Übergewicht. Je höher das Übergewicht ist, desto mehr Druck muss zur CPAP-Therapie angewandt werden. Höherer Druck bei der CPAP-Therapie macht die Anwendung für den Patienten unangenehm. Weiterhin werden eine gesunde Lebensweise mit mediterraner Ernährung und die konsequente Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Nikotinabusus und Übergewicht empfohlen. Alkoholkonsum sollte vermieden werden. Die in der Literatur beschriebenen Therapien zur Stärkung der Muskulatur des Nasen-Rachen-Raums, z. B. durch Spielen eines Didgeridoos (Instrument der australischen Ureinwohner), sind im Alltag nicht umsetzbar.

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