06.05.2024

Zecken: So schützt man sich vor einer Neuroborreliose

  • Eine Borreliose in Folge eines Zeckenstichs ist zwar selten, angesichts der vielen Stiche summiert sich die Zahl der Betroffenen aber auf 60.000-200.000* pro Jahr in Deutschland.
  • Die meisten Fälle gehen glimpflich aus, aber es kann auch zu gefährlichen Hirnhautentzündungen und Entzündungen der Nervenwurzeln am Rückenmark kommen.
  • Daher heißt es: Sich bestmöglich schützen – denn die Zecken sind im Frühling und Frühsommer besonders aktiv.
  • Bei Anzeichen einer Borreliose, meist einer typischen ringförmigen Hautrötung, oder bei neurologischen Symptomen, sollte sofort ärztlicher Rat eingeholt werden.  

Borreliose ist auf der Nordhalbkugel die häufigste Erkrankung, die von Tieren auf Menschen übertragen wird. Verbreitet wird sie durch den Stich einer Zecke, genauer gesagt durch ein bestimmtes Bakterium, das beim Zeckenstich übertragen wird und die Borreliose auslöst. Doch nicht jeder Zeckenstich führt zwangsläufig zu einer akuten Borreliose, sondern die tritt nur bei etwa gut drei Prozent auf.

Borreliose: Haut, Nerven, Gelenke, Herz und andere Organe betroffen

Bei Borreliose handelt es sich um eine multisystemische Erkrankung. Betroffen können also mehrere Organsysteme sein, darunter Haut, Nerven, Gelenke oder auch das Herz:

  • Am häufigsten ist die Infektion an der Haut. Dabei entwickelt sich eine typische kreisrunde Rötung um die Einstichstelle in der Haut, die bei fast Dreiviertel aller Betroffene auftritt.
  • An zweiter Stelle stehen neurologische Symptome, weswegen auch häufig der Begriff Neuroborreliose verwendet wird.

Die Krankheit kann unterschiedliche Verläufe nehmen. In der ersten Phase (3-30 Tage nach dem Zeckenstich) kann es zusammen mit der runden Hautrötung zu Fieber und Schüttelfrost, zu Fatigue (Abgeschlagenheit) oder Muskel- und Gelenkschmerzen kommen.

Neuro-Borreliose: neurologische Krankheiten durch Borreliose

Neurologische Krankheiten können Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich auftreten:

  • Bei Kindern ist das vor allem die Hirnhautentzündung (Meningitis),
  • bei Erwachsenen die Meningoradikuloneuritis, eine Meningitis mit gleichzeitiger Entzündung der Nervenwurzeln am Rückenmark.

Bei gut der Hälfte der Betroffenen kommt es zu Hirnnervenausfällen und häufig dadurch zu einer ein- oder beidseitigen Lähmung des Gesichts. Man spricht hier von der frühen Neuro-Borreliose.

In seltenen Fällen kann es zu einer späten Neuro-Borreliose kommen, die erst Monate, manchmal auch erst Jahre, nach dem Zeckenstich entsteht. Typisch dafür ist eine Entzündung des Gehirns und des Rückenmarks, in deren Folge es auch oft zu einer Gangstörung und Blasenstörung kommen kann.

Behandlung der Neuro-Borreliose

Die Neuroborreliose wird mit einem Antibiotikum behandelt. Unter der Therapie bessern sich die neurologischen Beschwerden in fast allen Fällen und es bleiben nur sehr selten Langzeitfolgen zurück. Eine zu spät behandelte Meningitis kann aber bei Kindern zu bleibenden Schäden führen, z. B. zu Hörschäden bis hin zur Taubheit oder zu einer Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung.

Zecken schnell entfernen und vor Stichen schützen

Der Schutz vor Zeckenstichen ist daher wichtig:

  • Das geht zum einen durch entsprechende Kleidung. Wenn man in die Natur geht, z. B. durch hohes Gras streift, sind lange Hosen und langärmlige Shirts zu empfehlen, auch Anti-Zecken-Sprays/-Lotionen sind ratsam.
  • Wichtig ist darüber hinaus, dass man sich und die Kinder nach jedem Aufenthalt im Freien nach Zecken absucht.

Findet man eine Zecke, sollte man diese gleich mit einer Zeckenzange oder Zeckenkarte entfernen und die Stelle im Anschluss desinfizieren. Da der Übertritt der Borrelien bei einem Zeckenstich einige Stunden dauert, kann die frühzeitige Entfernung der Zecke eine Infektion verhindern.

Bei Borreliose-Symptomen immer zu Arzt

„Dass man gestochen wurde, sollte man im Hinterkopf behalten“, erklärt Professor Dr. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung. „Wenn sich dann die Hautrötung entwickelt, sollte man zum Arzt gehen. Aber auch, wenn erst Wochen später Fieber oder neurologischen Beschwerden wie Kopfschmerz, Schwindel oder eine Gesichtslähmung auftreten, muss ärztlicher Rat eingeholt werden – und es erleichtert die Diagnose, wenn man die Ärztin/den Arzt auf den Zeckenstich hinweist“

„Ein Arztbesuch ist bei diesen Symptomen immer erforderlich, auch wenn es nach dem Stich nicht zu der typischen Hautirritation gekommen ist. Die tritt nämlich bei einem Drittel der Neuroborreliose-Fälle im Vorfeld gar nicht auf“, so Erbguth.

*60.000 gemeldete Fälle, es muss aber von einer Dunkelziffer ausgegangen werden.


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