03.12.2023

Delir im Krankenhaus – das können Angehörige tun

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Fall des Monats:

Häufiger als gedacht erleben gerade ältere Menschen im Krankenhaus eine akute Störung des Bewusstseins, Delir genannt. Intensive Zuwendung hilft dagegen – besonders wenn sie von vertrauten Personen kommt.

Die 86-jährige Trude Kohlheim ist nach einer Hüftoperation plötzlich verwirrt und völlig desorientiert. Sie erkennt ihre Tochter nicht wieder, wirkt müde und hat Halluzinationen. „Zudem sind bei Delir-Betroffenen die Aufmerksamkeit und Wahrnehmung beeinträchtigt“, sagt Dr. Wolf-Oliver Krohn, Neurologe und Patientenberater der Deutschen Hirnstiftung. Oft kämen innere Unruhe und aggressives oder abwehrendes Verhalten hinzu. „Typisch ist auch, dass die Symptome nicht gleichmäßig über den Tag vorkommen.“

Auf Intensivstationen bis zu 87 Prozent betroffen

Eintreten kann ein Delir innerhalb von Stunden bis Tagen und das meist im Krankenhaus. Auf Intensivstationen sind bis zu 87 Prozent der Behandelten betroffen [1]. „Besonders gefährdet sind ältere Menschen mit Einschränkungen der Hirnleistung, wie einer Demenz, oder einer anderen größeren Vorerkrankung“, sagt Krohn. Aber auch Alkoholmissbrauch und Depression seien nennenswerte Risikofaktoren [2]. Hatte man bereits ein Delir, ist ein neues zudem wahrscheinlicher. Die Dauer der Störung lässt sich kaum voraussagen. Zieht sie sich über Wochen hin, kann die Hirnleistung anschließend auch länger beeinträchtigt bleiben.

Ob ein Delir vorliegt, kann das Krankenhaus mit einfachen Tests ermitteln. „Ein erstes Bild können sich Angehörige sogar selbst machen“, erklärt Patientenberater Krohn. Zum Beispiel, indem man die betroffene Person bittet, die Wochentage aufzusagen. „Das klappt bei Menschen im Delir meist nicht fehlerfrei.“ Steht die Diagnose fest, hilft vor allem intensive Zuwendung [3]. Angehörige und andere Besucher spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Das können Angehörige bei Delir tun

Zunächst sollte man verwirrten Betroffenen bei der Orientierung helfen. „Brauchen Sie Hörgerät oder Brille, sollten sie diese tragen“, so Krohn. „Eine gut sichtbare Uhr und ein Kalender auf dem Nachttisch helfen ebenfalls.“ Auch im Gespräch könne man zur Orientierung immer wieder Tageszeit, Wochentag und Datum einfließen lassen. Generell helfen dabei geduldiges Reden, langsame und einfache Sprache sowie zahlreiche Wiederholungen. Krohn: „Man kann auch die aktuelle Situation immer mal wieder zusammenfassen: warum ist man im Krankenhaus, was wurde medizinisch gemacht, wie geht es weiter?“

Gut wirken oft Lieblingsmusik und -aktivitäten, wie etwa Kartenspiele, bekannte Fernsehsendungen, persönliche Gegenstände und vor allem vertraute Gesichter. Das kann ein Familienbild auf dem Nachtisch sein. „Besonders hilfreich sind aber sehr häufige Besuche im Krankenhaus“, sagt Krohn. Dabei könne es vorkommen, dass Betroffene selbst sehr nahestehende Menschen zeitweise nicht erkennen. „Dann sollte man einfach sagen, wer man ist – im Zweifel auch wiederholt“, rät Neurologe Krohn.

Delir von vornherein vermeiden

Hilfe bei der Orientierung und intensive Zuwendung können bei Menschen mit einem erhöhten Risiko helfen, ein Delir gar nicht eintreten zu lassen. Dazu kann man auch selbst vorab etwas beitragen. „Ist der Krankenhausaufenthalt geplant, nimmt man gleich ein paar persönliche Sachen für den Nachttisch mit und einen gut ablesbaren Wecker“, rät Krohn. „Oder man lädt wichtige Menschen direkt zum Besuch ins Krankenhaus ein.“ Das sei besonders empfehlenswert, wenn man keine Angehörigen in der Nähe hat, die regelmäßig vorbeikommen können.


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