Delir: Symptome, Ursachen, Behandlung

Auf einen Blick

Hier finden Sie das Wichtigste auf einen Blick. Ausführliche Informationen haben wir weiter unten zusammengestellt.

Häufigkeit – Ein Delir ist im Krankenhaus oder in Pflegeeinrichtungen sehr häufig.

Hauptsymptome – Ein Delir ist eine akute Wesensänderung im Rahmen einer schweren Akuterkrankung und geht mit einer Unordnung der Wahrnehmung und Gedanken sowie einem selbstgefährdenden Bewegungsdrang einher.

Diagnostik – Klinische Untersuchung von Orientiertheit, Aufmerksamkeit und Ablenkbarkeit durch verschiedene Tests

Behandlung – Die Behandlung besteht aus intensiver Zuwendung und Medikamentengabe.
Wichtig zu beachten. In der Mehrzahl der Fälle bildet sich ein Delir zurück.

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Vordergründiges Krankheitszeichen des Delirs ist ein hyperaktives, unkooperatives, oft sogar fremdaggressives Verhalten, das innerhalb von Stunden bis Tagen bei einer Akuterkrankung plötzlich einsetzt. Diese Verhaltensauffälligkeit schwankt im Laufe des Tages und nimmt meist nachts zu. Diese Schwankungen des Zustands sind oft so erheblich, dass sehr umtriebige Patienten zwischenzeitlich „wie unter Schlafmitteln“ wirken. Oft ist der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört, d. h., die Betroffenen sind nachts wach und tagsüber schläfrig. Alpträume können sich als Halluzinationen in die Wachphasen fortsetzen. Bei der Kommunikation mit solchen Patienten erweist sich deren Denken als desorganisiert mit Gedächtnisstörungen. Gedächtnislücken werden öfters durch Fantasieerzählungen gefüllt. Die Denkstörung des Delirpatienten beruht auf einer schweren Störung der Aufmerksamkeit, und zwar sowohl der Fokussierung auf ein Thema als auch des Aufrechthaltens des Interesses am Thema. Patienten wirken dann verworren.

Ein Delir kann sich bei einer akuten Erkrankung entwickeln. Neben Erkrankungen des Gehirns selbst wie Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder epileptischen Anfällen spielen zahlenmäßig vor allem akute fieberhafte Entzündungen irgendwo im Körper eine Rolle. Auch eine Operation bewirkt eine entzündliche Allgemeinreaktion, weswegen ein Delir nach einer Operation häufig ist. Manchmal spielen auch Medikamente eine auslösende Rolle, insbesondere Psychopharmaka und Schmerzmittel.

Solche unerwünschten Ereignisse treffen auf ein individuelles Gehirn, das eine Lebensgeschichte hat. Wenn es aus irgendwelchen Gründen vorgeschädigt ist, dann sinkt die Schwelle zur Auslösung eines Delirs bei einer Störung der Körperfunktionen. Aus diesem Grunde sind höheres Lebensalter und Hirnleistungsabbau des älteren Menschen (Demenz, selbst in den ersten Stadien) ein starker Risikofaktor für ein Delir. Aber auch schwere allgemeine Erkrankungen wie bösartige Tumoren, Organschäden oder eine Blutvergiftung (Sepsis) können als Risikofaktoren genannt werden.

Ein Delir verkompliziert die Krankenhausbehandlung erheblich. Das nicht kontrollierte und unkooperative Verhalten im Delir erfordert Maßnahmen, die den normalen Behandlungsprozess unterbrechen und verlängern. Unkooperative Patienten können z. B. bei Krankengymnastik nicht aktiv mithelfen, und die wichtige Mobilisation und Frührehabilitation können bei einem Delir nicht richtig wirksam werden. Insbesondere das postoperative Delir kann bei jüngeren Patienten nur ein vorübergehendes Problem sein. Inzwischen hat sich aber herausgestellt, dass die Tatsache eines Delirs auch längerfristig Folgen hat, insbesondere bei älteren Patienten.

Die Diagnose wird gestellt, wenn ein typischer Auslöser vorliegt, der Beginn der Wesensänderung damit zusammenfällt (Stunden bis Tage) und der Zustand im Tagesverlauf wechselhaft ist. Nicht nur die Orientiertheit, sondern vor allem die Aufmerksamkeit und Ablenkbarkeit, also das Halten eines Themas, sind im Gespräch zu prüfen. Das geschieht mittels verschiedener Tests. Am einfachsten ist die Aufzählung der Wochentage (kein Fehler erlaubt), von 100 jeweils 7 abziehen zu lassen. Zuverlässiger sind ausführlichere Tests, die auch in wenigen Minuten am Krankenbett ohne Hilfsmittel durchführbar sind. Hierzu zählt beispielsweise die CAM (Confusion Assessment Method), bei der ein vorgegebener Buchstabe in einem langen Wort zuverlässig identifiziert werden muss, einfache Sinnfragen zu beantworten sind und einfache Handlungen imitiert werden sollen.

Die Behandlung beruht auf zwei Säulen: der Multikomponenten-Intervention und Medikamenten.
Die Multikomponentenintervention kommt sowohl bei drohendem als auch bei bestehendem Delir zum Tragen. In der Prävention sind diese Maßnahmen noch effektiver als bei einem bereits eingetretenen Delir. Die Basismaßnahmen bestehen darin, rigoros alle Risiken für ein Delir zu beseitigen. Für die Selbst-Rückversicherung des Patienten sind eine Tag-Nacht-Wechselbeleuchtung mit sichtbarer Uhr, das geduldige Wiederholen des Aufenthaltsgrunds, von Ort/Zeit/Datum und das wiederholte Erläutern medizinisch notwendiger Eingriffe wichtig. Auch die frühzeitige aktive Mobilisierung, (Re-)Institutionalisierung eines ausgewogenen Schlafs, nächtliche Ohrenstöpsel, vertraute Lieblingsmusik und Bilder von Bezugspersonen sind hilfreich. Schwierig durchschaubare Außenbedingungen, hohe Geräuschpegel und freiheitsbeeinträchtigende Maßnahmen erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Delirs, verlängern dieses und sollten daher möglichst vermieden werden. Medikamente müssen auf das Unentbehrliche reduziert werden. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, ein Delir abzuwenden, müssen Medikamente verabreicht werden: zur Ordnung der Gedanken Psychopharmaka vom Typ der Neuroleptika, gegen Bewegungs- und innere Unruhe Beruhigungsmittel, weitere bestimmte Medikamente gegen vegetative Entgleisungen.

Ein akutes Delir klingt je nach persönlicher Disposition der Patienten mehr oder weniger langsam ab, kann sich aber bei älteren Patienten auch einmal über Wochen hinziehen. Dann besteht das Risiko, dass die Hirnleistungsfähigkeit länger beeinträchtigt bleibt. Eine individuelle Vorhersage bei einem länger dauernden Delir lässt sich zum Zeitpunkt der Krankenhausentlassung noch nicht zuverlässig treffen. Daher ist die Weiterversorgung (Rehabilitation, Pflegeheim, häusliche Hilfen) oft entscheidend. Bei der Planung ist zu bedenken, dass insbesondere bei älteren Patienten, die sich von einem Delir erholt haben, das Risiko eines erneuten Delirs hoch ist.

siehe „Aussicht auf Heilung“

Autor: Prof. Dr. Wolfgang Müllges (†), Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Spezielle Neurologische Intensivmedizin, Klinische Geriatrie, Oberarzt der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Würzburg

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