Epilepsie

Auf einen Blick

Häufigkeit 0,6 % der Bevölkerung sind betroffen, weltweit über 60 Millionen Menschen. In Deutschland haben 640.000 Menschen eine Epilepsie. Damit handelt es sich um eine der häufigsten chronisch-neurologischen Krankheiten.

Hauptsymptome Epileptische Anfälle in verschiedensten Formen von der subjektiven Wahrnehmung über den generalisiert tonisch-klonischen Anfall bis zum Status epilepticus, einem Anfall, der nicht von selbst aufhört und in etwa 10 % der Fälle tödlich endet

Diagnostik Epilepsien werden durch die eingehende Befragung von Patienten und Anfallszeugen, durch Ableitung von Hirnströmen (Elektroenzephalographie (EEG)), kernspintomographische Aufnahmen (MRT) des Gehirns und bei einigen Patienten auch durch Laboruntersuchungen aus Blut und Nervenwasser diagnostiziert.

Behandlung Die Behandlung beginnt mit der Beratung zu Anfallsrisiken und
-auslösern, erfolgt meist medikamentös mit anfallshemmenden Medikamenten (Antiepileptika), kann aber auch durch einen epilepsiechirurgischen Eingriff, also die Entfernung des anfallsauslösenden Hirngewebes, erfolgen.

Wichtig zu beachten Epilepsien können sehr viele verschiedene Ursachen haben. Daher ist es wichtig, die genaue Ursache zu diagnostizieren, denn diese ist die Basis für die erfolgreiche Therapie. Patienten, die nach dem Einsatz von zwei Medikamenten nicht anfallsfrei geworden sind, sollten durch ein Epilepsie-Zentrum mitbehandelt werden. Epilepsie-Patienten weisen eine erhöhte Sterblichkeit auf, insbesondere, wenn generalisierte konvulsive Anfälle bestehen. Begleiterkrankungen und soziale Folgen müssen ins Behandlungskonzept einbezogen werden.

Hauptsymptom einer Epilepsie ist der epileptische Anfall. Epileptische Anfälle können sehr verschieden sein und reichen von einer subjektiven Wahrnehmung (einer sog. Aura, z. B. ein Geruch, Angst, ein vom Magen aufsteigendes Gefühl) über einen kurzen Bewusstseinsverlust oder leichte Veränderungen der Motorik (z. B. Nesteln, Kauen, Schmatzen) bis hin zum generalisierten tonisch-klonischen Anfall, der den gesamten Körper erfasst und mit Bewusstseinsverlust und nachfolgender (postiktaler) Verwirrtheit und Muskelkater sowie z. T. mit Verletzungen und Frakturen einhergeht. Wenn nur milde Anfallsformen auftreten, kann es Jahre dauern, bis die Diagnose einer Epilepsie gestellt wird. Einige Patienten bemerken und erinnern sich nicht an ihre Anfälle und können dann irrtümlich annehmen, anfallsfrei zu sein. Alle Anfallsformen können auch als Status epilepticus auftreten, ein Anfall, der nicht von selbst aufhört und in etwa 10 % der Fälle tödlich endet und daher einen medizinischen Notfall darstellt.

Die Ursachen sind sehr verschieden und schließen strukturelle Hirnschädigungen, wie z. B. den Zustand nach einem Schädel-Hirn-Trauma, einen Hirntumor, einen Schlaganfall, Hirnentzündungen und metabolische Erkrankungen ein, aber auch genetische Syndrome, bei denen z. B. durch Ionenkanalmutationen die Erregbarkeit einer Nervenzelle oder einer Gruppe von Nervenzellen insgesamt verändert ist. Da die Therapie und Prognose von der Ursache abhängen, ist es sehr wichtig, diese zu kennen. Durch die Behandlung zugrunde liegender Erkrankungen lassen sich viele Epilepsien heilen oder deutlich bessern.

Zu den Risikofaktoren gehören: das Auftreten von Fieberkrämpfen in der Kindheit, Hirnschädigungen jeder Art in der Vorgeschichte und eine positive Familienanamnese, insbesondere wenn enge Angehörige betroffen sind. Das Risiko, eine Epilepsie zu entwickeln, lässt sich entsprechend durch die Meidung von Hirnschädigungen mindern, also z. B. durch Tragen eines Fahrradhelms, Maßnahmen der passiven Sicherheit im Pkw oder durch Vorbeugen eines Schlaganfalls. Bei bestimmten epileptischen Syndromen können durch Schlafentzug, Alkoholkonsum oder Flackerlicht (Diskothek) einzelne Anfälle ausgelöst werden. Durch Meidung dieser Auslöser lassen sich dann auch Anfälle verhindern.

Etwa zwei Drittel aller Patienten mit Epilepsie werden unter der medikamentösen Therapie anfallsfrei und können dann ein recht normales Leben führen. Leider gelingt das beim verbleibenden Drittel nicht, und diese Patienten werden als medikamentenrefraktär bezeichnet, wenn auch nach Einsatz von zwei geeigneten Anfallssuppressiva Anfälle fortbestehen. Solche schwerer betroffenen Patienten sollten an ein Epilepsie-Zentrum überwiesen werden. Hier kann geprüft werden, ob ein epilepsiechirurgischer Eingriff oder ein Medikamentenwechsel möglich bzw. sinnvoll ist.

Epilepsien werden meistens durch die eingehende Befragung von Patienten und Anfallszeugen (Handy-Aufzeichnung) diagnostiziert. Üblicherweise werden auch Hirnströme abgeleitet. Eine solche Elektroenzephalographie (EEG) kann helfen zu entscheiden, ob es sich um eine generalisierte oder um eine fokale Epilepsie handelt und von welcher Hirnregion die Anfälle ausgehen. Durch speziell an die Epilepsie angepasste kernspintomographische Aufnahmen (MRT) des Gehirns lässt sich die Frage beantworten, ob eine epilepsiebedingende Läsion im Hirn vorliegt und wo genau diese sich befindet. Bei Verdacht auf eine entzündliche, immunvermittelte oder metabolische (stoffwechselbedingte) Ursache sind auch Laboruntersuchungen aus Blut und Nervenwasser erforderlich.

Neben der Beratung zu Risiken und zur Lebensführung sowie zu möglichen gesundheitlichen und sozialen Folgen (z. B. zu Fahreignung, Berufswahl und Kinderwusch, Begleiterkrankungen), die bei jedem Patienten (durch den Arzt und, wenn erforderlich, in einer Epilepsie-Beratungsstelle) erfolgen sollte, erhalten die meisten Patienten eines oder mehrere von heute über 20 verfügbaren anfallsunterdrückenden Medikamenten. Wenn unter dem zuerst ausgewählten Medikament Anfallsfreiheit nicht erreicht wird oder wenn es nicht vertragen wird, werden weitere Medikamente versucht. Bei Patienten, die weiterhin Anfälle haben, sollte geprüft werden, ob die gestellte Diagnose korrekt ist und ob ein epilepsiechirurgischer Eingriff möglich ist. Ein solcher führt nämlich bei mehr als der Hälfte der Patienten zur Anfallsfreiheit.

Als geheilt gilt, wer über zehn Jahre anfallsfrei geblieben ist, davon fünf Jahre ohne Medikation. Das wird bei nahezu der Hälfte der Betroffenen erreicht. Im Vergleich zu vielen anderen chronischen neurologischen Erkrankungen sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Behandlung sehr gut. Zwei Drittel der Patienten werden unter Medikamenten längerfristig anfallsfrei. Meist müssen die Medikamente lange, z. T. auch auf Dauer, eingenommen werden. Daher ist es wichtig, verträgliche Medikamente auszuwählen. Medikamentenrefraktäre Patienten könnten nach sorgfältiger Diagnostik zum Teil operativ behandelt werden, wonach > 50 % anfallsfrei bleiben. Die Mehrzahl der operierten Patienten nehmen allerdings auch nach der OP noch Medikamente ein.

Epilepsien bringen bestimmte Einschränkungen mit sich, die die Lebensführung betreffen können. Wenn anfallsauslösende Faktoren gefunden wurden, sollten diese möglichst gemieden werden. Bestimmte Tätigkeiten, bei denen man stürzen, sich verletzen oder ertrinken kann, sind bei aktiven Epilepsien gefährlich. Daher bestehen hier Einschränkungen. Dies betrifft auch das Führen eines Fahrzeugs. Relevant sind die aktuellen nationalen und europäischen Fahreignungsrichtlinien sowie die Verordnung GDUV 250-001, in welcher beschrieben ist, welche beruflichen Tätigkeiten im Einzelfall infrage kommen und welche nicht.

Autor: Prof. Dr. med. Felix Rosenow, Leiter Epilepsiezentrum Frankfurt Rhein-Main, Universitätsklinikum Frankfurt, Goethe-Universität
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