01.06.2021

Wirkt ausreichend Schlaf gegen Demenz?

Gegen eine Demenz im Alter lässt sich einiges tun. Das zeigt eine große internationale Studie. Die Möglichkeiten reichen von gesundem Blutdruck und Bewegung bis hin zu einem aktiven Sozialleben. Jetzt haben Forscher untersucht, welchen Einfluss ausreichend Schlaf haben könnte.

Die Reihe der Risikofaktoren für eine Demenz ist lang. Schlechtes Hören, Schädel-Hirn-Trauma und Bluthochdruck gehören genauso dazu wie Alkohol, Übergewicht und Rauchen. Depression, soziale Isolation, Bewegungsmangel, Diabetes und sogar Luftverschmutzung im höheren Lebensalter sind weitere Faktoren. Vermeidet man sie, lässt sich das Demenz-Risiko um bis zu 40 Prozent verringern. Das zeigt ein Bericht in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet.

Schlaf und Demenzrisiko

Eine aktuelle Studie im Wissenschaftsmagazin Nature Communications hat jetzt Zahlen für einen Zusammenhang zwischen Schlaf und Demenzrisiko vorgelegt. Daten von fast 8.000 Menschen über eine Zeit von 25 Jahren wurden dazu ausgewertet. Das ist wichtig, weil sich eine Demenz meist über solche längeren Zeiträume entwickelt. Die Ergebnisse zeigten, dass Teilnehmende mit durchschnittlich sieben Stunden Nachtruhe im Alter die niedrigste Demenzrate hatten. Bei jenen mit kürzeren Schlafzeiten trat eine Demenz hingegen um 30 Prozent öfter auf. Folgt daraus, dass ausreichend Schlaf gegen Demenz wirkt?

Weitere Studien nötig

Diese Erwartung dämpft Prof. Dr. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung e. V. „Ob der Schlaf der Auslöser ist, müssen weitere Studien erst klären“, so Erbguth. Ebenso könne der Zusammenhang andersherum sein und der kürzere Schlaf eine Folgeerscheinung der Demenz bei den untersuchten Personen. Bei Patienten mit einer Alzheimer-Krankheit etwa sei bereits bekannt, dass die krankheitstypischen Ablagerungen in den Nerven zu Erregungszuständen führen, was oft innere Unruhe und Schlaflosigkeit nach sich ziehen kann.

Ursache und Wirkung

Auch bei Parkinson gibt es eine Verbindung zwischen der Erkrankung und schlechtem Schlaf. Viele Menschen, die unter einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung leiden, können im weiteren Verlauf eine Parkinson-Krankheit entwickeln. So eine Störung ist durch lebhafte aktive Träume mit zum Teil aggressivem Inhalt und körperlicher Aktivität wie Treten oder Schreien im Traumschlaf gekennzeichnet. Man geht davon aus, dass es sich hierbei um ein Frühzeichen für die Erkrankung handelt.

Guter Schlaf ist wichtig

Wer dauerhaft von Natur aus wenig schläft oder phasenweise unter Schlaflosigkeit leidet, sollte angesichts dessen „aber nicht in Panik verfallen“, sagt Prof. Dr. Kathrin Reetz, Vizepräsidentin der Deutschen Hirnstiftung. Schlaflosigkeit kann auch oft psychisch bedingt sein, etwa weil man Stress, Probleme oder Sorgen habe. Reetz: „Es gibt kaum jemanden, der solche Phasen nicht durchlebt und sein ganzes Leben lang gut schlafen kann.“ Menschen, die aber über Monate oder sogar Jahre oft wachliegen, sollten zum Arzt gehen. Generell gelte: Schlaf ist wichtig für die Gesundheit. Jeder sollte darauf achten, ausreichend erholsamen Schlaf zu finden – gegen eine Demenz die bekannten Risikofaktoren verringern.

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