Myelitis

Auf einen Blick

Hier finden Sie das Wichtigste auf einen Blick. Ausführliche Informationen haben wir weiter unten zusammengestellt.

Häufigkeit   In Deutschland erkranken jedes Jahr ca. 105 Menschen an einer Rückenmarkentzündung (Myelitis), sie ist also eine eher selten auftretende Krankheit, die vor allem im Alter von 10 bis 19 und von 30 bis 49 Jahren vorkommt. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen.

Hauptsymptome Die Symptome der Myelitis umfassen Muskelschwäche bis hin zur Lähmung, Gefühlsstörungen in Form von Taubheitsgefühlen, Kribbelmissempfindungen sowie schmerzhaften Missempfindungen, Fehlfunktionen der Harnblase, des Enddarms sowie sexuelle Störungen. Bei Schädigungen des oberen Halsmarks können auch Herz-Kreislauf-Regulationsstörungen auftreten. Entsprechend der entzündlichen Ursache entwickeln sich die Symptome in der Regel innerhalb weniger Tage.

Diagnostik Der Nachweis erfolgt mittels kernspintomographischer Bildgebung, hier kommen je nach Ursache ein oder mehrere Entzündungsherde im Rückenmark zur Darstellung. Mithilfe der Nervenwasseruntersuchung kann die Entzündung nachgewiesen werden. Im Rahmen der Ursachensuche erfolgen Blut- und Nervenwasseruntersuchungen auf bestimmte Erreger, systemische Autoimmunerkrankungen, Vitaminmangelzustände sowie spezielle Entzündungserkrankungen wie die Multiple Sklerose oder Neuromyelitis optica.

Behandlung Je nach Ursache erfolgt eine erregerspezifische Therapie oder bei autoimmuner Ursache eine hochdosierte Kortikoidtherapie. Bei geringem Ansprechen auf die Kortikoidbehandlung kann sich ein Plasmaaustausch anschließen. Zusätzlich erfolgen symptomatische Therapiemaßnahmen wie Physiotherapie.

Wichtig zu beachten Eine sich rasch entwickelnde Störung von Gefühl, Kraft oder Blasen-/Enddarmfunktionsstörung kann einen Hinweis auf eine Myelitis darstellen und bedarf einer umgehenden Abklärung und Therapie.

Das Erscheinungsbild der Rückenmarkentzündung kann äußerst unterschiedlich sein, in Abhängigkeit davon, welche Ebene des Rückenmarks betroffen ist und welche Fläche des Rückenmarkquerschnitts betroffen ist. Die Symptome der Myelitis umfassen Kribbel- oder Taubheitsgefühle vor allem in den Beinen sowie strumpfhosenförmig im Bereich des Rumpfes unterhalb der Läsion, Lähmungen der Beine und ggf. der Arme bis hin zu einer Querschnittlähmung, eine Spastik der Beine, Fehlfunktionen von Darm und Harnblase sowie sexuelle Störungen. Bei höherer Halsmarkläsion kann auch eine Regulationsstörung von Herzrhythmus oder Blutdruck auftreten.

Eine Myelitis (transverse Myelitis im englischen Sprachraum) beschreibt alle Arten von Rückenmarkentzündungen. Die Lage der Entzündung und ob sie einmal oder mehrmals auftritt sind wichtige Faktoren zur Unterscheidung der unterschiedlichen Typen dieser Erkrankung. Die Ursachen der Rückenmarkentzündung können dabei vielfältig sein. Eine Myelitis kann erregerbedingt, parainfektös (im Rahmen einer Infektion, jedoch nicht direkt durch den Erreger bedingt), im Rahmen einer systemischen Autoimmunkrankheit (z. B. beim Lupus erythematodes oder Sjögren-Syndrom), einer Multiplen Sklerose oder Neuromyelitis optica, bei einer Sarkoidose oder sehr selten nach Impfungen (postvakzinale Myelitis) auftreten. Im Zusammenhang mit bakteriellen oder viralen Infektionen wie etwa bei Windpocken, Masern, Röteln, Mumps und Influenza, aber auch bei einer Poliomyelitis, beim Herpes Zoster (Gürtelrose) und einer Infektion mit HI-Viren kann eine Myelitis auftreten. Zu den bakteriellen Erregern zählen weiter Mykoplasma pneumoniae, Lyme-Borreliose, Syphilis und Tuberkulose.

Aufgrund der breit gefächerten Ursachen gibt es kein spezifisches Risikoprofil für eine Myelitis.

In 75–90 % der Fälle tritt die Myelitis einmal im Leben auf (monophasischer Verlauf), deutlich seltener gibt es wiederkehrende Entzündungen des Rückenmarks, z. B. im Rahmen einer Multiplen Sklerose oder Neuromyelitis optica. Die Zunahme der Symptome von Beginn bis zur vollständigen Ausprägung kann zwischen 4 und 21 Tage dauern, mit einer Erholungsphase von bis zu 2 Jahren ist zu rechnen. Eine eher schlechtere Prognose haben Patienten, deren Symptome sich sehr rasch, u. U. innerhalb von Stunden, ausbilden oder deren Myelitisherd sich im Halsmark befindet.

In einem ersten Schritt wird zunächst die Vorgeschichte erhoben und eine gründliche neurologische Untersuchung durchgeführt. Durch eine MRT (Kernspintomographie)-Untersuchung des Rückenmarks kann die Art der Erkrankung diagnostiziert werden. In den MRT-Aufnahmen sind in der Regel die Entzündungsherde im Rückenmark gut zu erkennen. Eine Raumforderung im oder am Rückenmark oder Veränderungen der Wirbelsäule sollten dabei ausgeschlossen werden. Nach Feststellung der Rückenmarkentzündung im MRT werden Nervenwasser- und Blutproben genommen, um die Ursache der Myelitis zu klären. Eventuell werden elektrophysiologische Untersuchungen oder Ultraschalluntersuchungen der Blase erfolgen, um die Funktionseinschränkungen besser beurteilen zu können.

Eine erfolgreiche Myelitis-Behandlung hängt von der raschen Erstversorgung ab. In erster Linie werden Medikamente eingesetzt, je nach Ursache Medikamente gegen eine Infektion (Virustatika oder Antibiotika) oder hochdosierte Kortikoide bei autoimmuner Ursache. Bei nicht ausreichendem Ansprechen auf eine Kortikoidtherapie kann ein Plasmaaustausch erfolgen. Nach Abschluss der Akuttherapie mit Medikamenten schließt sich eine intensive Rehabilitationsphase an. Physiotherapie und Ergotherapie sollen dauerhaften Einschränkungen durch Muskelschwäche, Spastizität und Koordinationsstörungen entgegenwirken bzw. deren Auswirkungen verringern. Einige Patienten leiden aufgrund der körperlichen Einschränkungen auch unter psychischen Belastungen wie Ängsten und Depressionen. Hier kann eine zusätzliche psychologische Hilfe sinnvoll sein.

Die Myelitis ist eine behandelbare Erkrankung, wobei der Erfolg von der Ursache der Entzündung und vom Beginn der Behandlung abhängt. Der Ausgang ist sehr variabel, sodass eine begleitende und an den jeweiligen Ausfällen ausgerichtete Therapie (z. B. Physiotherapie) sehr wichtig ist. Je nach Ursache der Myelitis ist eventuell eine weiterführende Therapie der zugrundeliegenden Infektion oder Autoimmunerkrankung zur Verhinderung eines Wiederauftretens erforderlich.

Die meisten Menschen mit einer Myelitis führen ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben. Dabei stehen mögliche verbleibende Ausfälle durch die Myelitis grundsätzlich weder Ausbildung noch Beruf, Freundschaften, Sport, sozialen Kontakten oder der Gründung einer Familie im Wege. Unterstützung bei Klärung von Fragen bietet Ihnen neben Ihrem behandelnden Neurologen die Deutsche Hirnstiftung.

Autorinnen: Dr. Birte Elias-Hamp, Praxis für Neurologie und Psychiatrie, Hamburg & Prof. Luisa Klotz, Klinik für Neurologie mit Institut für Translationale Neurologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

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