15.10.2020

Depression und Angsterkrankungen sind häufig bei M. Parkinson

Offensichtlich besteht ein pathogenetischer Zusammenhang zwischen Depression und Parkinson-Erkrankung – 40–50 % der Parkinson-Patienten leiden auch an einer Depression. Die Wahrscheinlichkeit für diese psychische Erkrankung hängt nicht unmittelbar mit dem Schweregrad der Parkinson-Erkrankung zusammen, auch Patienten in sehr frühen Stadien können eine Depression entwickeln. Wichtig ist, diese Begleiterkrankung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, denn sie senkt die Lebensqualität der Betroffenen beträchtlich.

Depression ist eine häufige Erkrankung. Das Risiko, im Laufe des Lebens an einer zu erkranken, beträgt weltweit 15–18 %, also insgesamt erkrankt fast jeder Fünfte daran [1]. Was häufig unterschätzt wird, ist, dass es sich auch um eine schwerwiegende Erkrankung handelt, die sogar mit einer deutlich erhöhten Sterberate einhergeht sowie mit dramatischen Einbußen im Hinblick auf Lebensqualität und psychosoziale Faktoren.

Wie eine aktuelle Auswertung aus Deutschland [2] zeigte, haben Menschen mit neurologischen Erkrankungen ein besonders hohes Risiko, auch an einer Depression zu erkranken. Bei Patienten mit einer Parkinson-Erkrankung ist dieser Anteil besonders hoch, fast jeder zweite ist betroffen [3]. Wissenschaftlich wird diskutiert, ob die Parkinson-Erkrankung ursächlich zur Entstehung einer Depression beiträgt. Beispielsweise könnten Dopamin-, Serotonin- und Noradrenalin-Mangel, die typisch für Parkinson-Patienten sind, auch Auslöser für die psychische Erkrankung sein.

Wichtig ist, dass eine Depression als Begleiterkrankung eines Morbus Parkinson rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Zu beachten ist dabei, dass die Wahrscheinlichkeit einer Depression nicht vom Parkinson-Erkrankungsstadium abhängt, Patienten in frühen Erkrankungsstadien also ebenso betroffen sein können wie jene in den späteren Erkrankungsphasen mit einer hohen Symptomlast. Deshalb muss bei jedem Patienten genau hingeschaut werden. Neurologen, die Parkinson-Patienten behandeln, sind darauf geschult, frühzeitig eine Depression zu diagnostizieren und zu behandeln.

Häufige Anzeichen einer Depression sind Antriebslosigkeit, Motivationslosigkeit, innere Leere und Hoffnungslosigkeit, übrigens können auch Beziehungsprobleme erstes Anzeichen sein. Häufig kommt es im Zuge der Depression auch zu Angststörungen bis hin zu Panikanfällen. Die Behandlung einer Depression kann entweder mit Medikamenten (sogenannte Antidepressiva) oder psychotherapeutisch erfolgen – oft wird für einen besseren Behandlungserfolg beides kombiniert. Hilfreich ist auch die sogenannte Patientenedukation, die in der Gruppe erfolgen kann, und Betroffene mit Bewältigungsstrategien vertraut macht, die helfen, mit der Erkrankung besser umgehen zu können.

Das wohl Wesentliche für alle Betroffenen ist, dass sie die Diagnose „Depression“ akzeptieren und sich auch helfen lassen. Leider sind psychische Erkrankungen, darunter auch Depression und Angststörungen, noch immer mit Tabus und Scham belegt, was zu einer hohen Dunkelziffer führt. Dabei ist es wichtig, dass psychische Erkrankungen ebenso rechtzeitig und konsequent behandelt werden wie körperliche Erkrankungen.

Die Deutsche Depressionshilfe bietet ein breites Angebot, das sich auch an Menschen mit Parkinson-Erkrankung und Depression richtet, auf ihrer Website an (https://www.deutsche-depressionshilfe.de ), darüber hinaus ein „Info-Telefon Depression“ (0800 / 33 44 533; Mo, Di, Do: 13:00 – 17:00 Uhr; Mi, Fr: 08:30 – 12:30 Uhr). Auch Angehörige und Partner finden dort Rat und können dadurch die Betroffenen unterstützen.

Quellen:

[1] Kessler RC, Berglund P, Demler O et al. National Comorbidity Survey R: the epidemiology of major depressive disorder: results from the National Comorbidity Survey Replication (NCS-R). JAMA. 2003;289(23):3095–3105

[2] Annika Steffen, Julia Nübel, Frank Jacobi et al. Mental and somatic comorbidity of depression: a comprehensive cross-sectional analysis of 202 diagnosis groups using German nationwide ambulatory claims data BMC Psychiatry. 2020; 20: 142. Published online 2020 Mar 30

[3] Lemke, Matthias R.; Ceballos-Baumann, Andres O. Depression bei Parkinson-Patienten: Diagnostische, pharmakologische und psychotherapeutische Aspekte. Dtsch Arztebl 2002; 99(40): A-2625 / B-2237 / C-2100

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