15.10.2020

Blutdrucksenker helfen gegen Demenz

Seit einigen Jahren ist ein Zusammenhang zwischen Demenz und Bluthochdruck bekannt. Menschen, die chronisch zu hohe Blutdruckwerte haben, erkranken offensichtlich häufiger an Demenz. Doch lässt sich dieses erhöhte Demenz-Risiko umgekehrt auch durch eine medikamentöse Blutdrucktherapie senken? Eine Anfang 2020 publizierte Studie [1] kam nun zu dem Ergebnis, dass die erfolgreiche medikamentöse Einstellung eines Bluthochdrucks das Demenz-Risiko um 12 % und das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, sogar um 16 % senkt.

In Deutschland leben derzeit etwa 1,2 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Pro Jahr kommen schätzungsweise 244.000 Betroffene neu hinzu. Die Demenz kann Ausdruck und Folge verschiedener Erkrankungen sein wie der Alzheimer-Krankheit, der Lewy-Körperchen-Demenz oder Folge gefäßbedingter Schädigungen im Gehirn (z. B. nach Schlaganfall, man spricht dann von vaskulärer Demenz). Mit einem Anteil von 50–70 % ist die Alzheimer-Demenz die häufigste Demenz-Form, ca. 15–25 % aller Fälle sind der vaskulären Demenz zuzuordnen.

Bluthochdruck ist eine noch viel häufigere Erkrankung. Eine Studie des Robert Koch-Instituts zeigte, dass fast jeder Dritte in Deutschland zu hohe Blutdruckwerte hat, der Anteil steigt mit dem Alter, bei Menschen über 60 Jahren ist es sogar schon jeder Zweite. Viele der Betroffenen merken nichts von ihrer Erkrankung, Bluthochdruck geht häufig völlig ohne Beschwerden einher, oft handelt es sich um einen Zufallsbefund beim Arztbesuch. Da Bluthochdruck zahlreiche schwere Folgeerkrankungen nach sich zieht – allein die Hälfte aller Schlaganfälle und Herzinfarkte geht auf sein Konto –, ist eine konsequente Behandlung wichtig und hat nach neuen Erkenntnissen auch positive Effekte auf die geistige Gesundheit.

Beobachtungsstudien haben gezeigt, dass Menschen mit Bluthochdruck häufiger im Alter eine Demenz entwickeln. Eine 2018 veröffentlichte Untersuchung [1] zeigte, dass bereits ein systolischer Blutdruckwert (das ist der obere Blutdruckwert!) von 130 mm Hg und darüber das Risiko für eine Demenz erhöhen kann, zumindest, wenn der Blutdruck über Monate und Jahre dauerhaft erhöht ist. Bluthochdruck ist somit ein Risikofaktor für eine Demenz-Erkrankung!

Warum ist das der Fall? Bei Bluthochdruck werden auch die kleinen Blutgefäße im Gehirn geschädigt. Nach und nach verschlechtern sich dadurch Durchblutung und Stoffwechsel und die Gedächtnisleistung der Betroffenen nimmt ab. Auch bei Alzheimer-Patienten ist die Durchblutung des Gehirns deutlich verringert [2]. Um Gehirn und Gefäße langfristig gesund zu halten, ist die Senkung von erhöhten Blutdruckwerten also wichtig. Ende 2019 zeigte eine große Metaanalyse [3], dass die medikamentöse Bluthochdruck-Therapie vor Demenz schützt: Die Patienten, deren Bluthochdruck-Erkrankung behandelt wurde, hatten ein um 12 % geringeres Risiko, an Demenz bzw. ein um 16 % niedrigeres Risiko, an Alzheimer zu erkranken.

Die gleiche Studie untersuchte darüber hinaus, ob bestimmte Substanzklassen von Blutdrucksenkern möglicherweise besser vor einer Demenz schützen als andere. Insgesamt wurden fünf verschiedene Substanzklassen untersucht: ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker, Beta-Blocker, Kalziumkanal-Blocker und Diuretika (sogenannte Wassertabletten). Im Ergebnis zeigte sich, dass der Effekt bei allen Substanzklassen gleich war, es also nicht auf die Substanz, sondern auf die erfolgreiche Blutdrucksenkung ankam. Das zeigte sich auch daran, dass Patienten, die keine erhöhten Blutdruckwerte aufwiesen, im Hinblick auf die Demenz-Prophylaxe nicht von der Einnahme von Blutdrucksenkern profitierten.

Fazit: Wer Bluthochdruck hat, kann durch eine erfolgreiche Blutdrucksenkung sein Demenz-Risiko reduzieren. Aber auch Menschen, die normale Blutdruckwerte haben, können etwas tun, um einer Demenz vorzubeugen!

[1] Abell JG et al., Eur Heart J 2018; doi: 10.1093/eurheartj/ehy288

[2] https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/wie-der-blutdruck-alzheimer-beeinflusst

[3] Ding J, Davies-Plourde KL, Sedaghat S et al. Antihypertensive medications and risk for incident dementia and Alzheimer´s disease: a meta-analysis of individual participant data from prospective cohort studies. Lancet Neurology 2020; 19: 61-70.

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