14.08.2020

Gibt es ein „Rezept“ zur Demenz-Prävention?

Kreuzworträtsel lösen, Vokabeln lernen, Schach spielen – solche „Denksportarten“ werden oft als probate Vorbeugung von Demenz empfohlen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn es gilt „an mehreren Schrauben gleichzeitig zu drehen“. Geistige Stimulation ist die eine, aber eine gesunde Lebensweise und körperliche Bewegung spielen eine ebenso wichtige Rolle wie auch – und das wird häufig unterschätzt – das soziale Miteinander.

Gesund alt werden und bis ins hohe Alter fit im Kopf bleiben, das wünschen sich die meisten Menschen. Doch mit dem Alter steigt der Anteil jener, denen geistige Fitness nicht vergönnt ist.

Demenz ist übrigens keine Krankheit, sondern ein sogenanntes klinisches Syndrom, das durch verschiedene Symptome wie z. B. Vergesslichkeit, Orientierungsstörungen oder Sprachstörungen gekennzeichnet ist. Es gibt eine Vielzahl von Erkrankungen, die zu einer vorübergehenden Demenz führen, wie Hirnentzündungen, Stoffwechselerkrankungen oder Tumoren des Gehirns. Wird die Ursache behoben, bildet sich auch die Demenz zurück.

Zu den degenerativen Demenzen zählen Alzheimer, die vaskuläre Demenz oder die frontotemporale Demenz. Für diese Demenz-Formen ist kennzeichnend, dass zu einer Störung des Gedächtnisses weitere kognitive Probleme hinzutreten. Früher oder später sind Orientierung und Planungsfunktionen eingeschränkt. Einfach gesagt: Die Betroffenen sind nicht nur vergesslich, sondern verlieren allmählich ihr „Lebenswissen“ und damit die Fähigkeit, den Alltag selbstständig zu meistern. Die krankheitsauslösenden Prozesse sind sehr vielfältig und komplex; Resultat ist, dass sich im Gehirn Zellverbindungen lösen und Gehirnzellen absterben.

Derzeit gibt es keine Therapie, um diese Demenzen zu heilen oder im Vorfeld gänzlich zu verhindern, aber mittlerweile gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass man bei der Vorbeugung selbst viel tun kann, um den Beginn einer Demenz hinauszuzögern und ihr Fortschreiten zu verlangsamen.

Demenz-Vorbeugung bedeutet vor allem, körperlich und geistig aktiv zu bleiben und soziale Kontakte zu pflegen. Einsamkeit und geistige „Verarmung“ können den Beginn einer Demenz beschleunigen, Einschränkungen von Hören oder Sehen müssen konsequent korrigiert werden, da Schwerhörigkeit und Alterssichtigkeit oft zur Isolation beitragen. Geselligkeit in der Familie und mit Freunden oder auch Reisen sind hilfreich zur Vorbeugung. Menschen, die „ab und zu mal ein bisschen vergesslich sind“, sollten sich keinesfalls aus dem Alltag zurückziehen, auch nicht in der Hoffnung, dass das Rätselheft die Gehirnzellen schon wieder auf Trab bringen wird. Denn herkömmliches Hirnjogging, bei dem nur automatisierte Gehirnleistungen abgerufen werden, wie z. B. beim Kreuzworträtsel, ist nicht nachhaltig wirksam, weil die Effekte schnell wieder verloren gehen. Dagegen sind sogenannte kognitiv-stimulierende Freizeitaktivitäten, die das Gehirn fordern und bei denen keine Routine aufkommt, zu empfehlen. Dazu gehört z. B., eine Fremdsprache zu lernen, Lesen (und die Diskussion darüber!), Musizieren, Museumsbesuche, Brettspiele etc. oder die Ausübung eines Ehrenamts sowie auch kreative Haushaltstätigkeiten wie Kochen, Backen, Nähen und Gartenarbeit. Je früher man sich ein Hobby zulegt, das Freude bereitet und möglichst andere Menschen einbezieht, desto besser.

Wichtig scheint zu sein, „an mehreren Schrauben gleichzeitig zu drehen“. Geistige Stimulation ist das eine, aber auch eine gesunde Lebensweise spielt eine Rolle: Die beginnt mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger körperlicher Aktivität, setzt sich fort über einen allenfalls geringem Alkoholkonsum bis zur konsequenten Behandlung von Krankheiten, die Demenzen begünstigen, wie z. B. Bluthochdruck oder Diabetes Typ 2.

Die Demenz-Forschung zeigt also, dass die Demenz-Prävention an drei „Baustellen“ ansetzen muss: An Körper, Geist – und Seele, und zu Letzterer gehören der soziale Kontakt, die menschliche Zuwendung und das Gespräch. Gerade diese Faktoren kommen bei vielen älteren und gebrechlichen Menschen oft zu kurz!

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