Funktionelle Bewegungsstörungen

Auf einen Blick

Hier finden Sie das Wichtigste auf einen Blick. Ausführliche Informationen haben wir weiter unten zusammengestellt.

Häufigkeit – Funktionelle Bewegungsstörungen sind keine Seltenheit: Sie zählen zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen.

Hauptsymptome – Vorwiegend auftretende Symptome sind Zittern (Tremor), Muskelverkrampfungen (Dystonie), Muskelzuckungen (Myoklonus, Tics und Tic-ähnliche Bewegungen) und komplexe Gangstörungen.

Diagnostik – Eine funktionelle Bewegungsstörung wird üblicherweise am charakteristischen klinischen Erscheinungsbild erkannt.

Behandlung – Ziel der Therapie ist ein „Umlernen“, damit sich die unbewusste Bewegungskontrolle schrittweise normalisieren kann. Idealerweise werden physiotherapeutische als auch psychotherapeutische Verfahren miteinander kombiniert.

Wichtig zu beachten – Hilfsmittel sollten nur zeitlich begrenzt in Anspruch genommen werden, da sie der Normalisierung der Körperfunktionen entgegenwirken können.

Funktionelle Bewegungsstörungen umfassen Zittern (Tremor), Muskelverkrampfungen (Dystonie), Muskelzuckungen (Myoklonus, Tics und Tic-ähnliche Bewegungen) und komplexe Gangstörungen. Im Gegensatz zu Erkrankungen wie einem Schlaganfall oder Parkinson handelt es sich hierbei um eine Funktionsstörung des Nervensystems, die nicht auf eine strukturelle Schädigung oder Neurodegeneration zurückzuführen ist. Die Symptome treten oft in Zusammenhang mit anderen körperlichen oder psychischen Belastungen auf. Ein wechselhafter Verlauf mit guten und schlechten Tagen ist typisch. Häufige Begleitbeschwerden sind vermehrte Erschöpfung, Konzentrationsstörungen sowie psychische Beschwerden.

Die genaue Ursache einer funktionellen Bewegungsstörung ist sehr individuell. In der Regel kommt es zu einem veränderten Ablauf von „Bewegungsprogrammen“. Bewegungen, die üblicherweise ganz unbewusst und automatisch ablaufen (z. B. stehen, gehen, den Arm heben), werden nun durch verzerrte Aufmerksamkeit, Fehlanpassungen und emotionale Überlagerung entscheidend gestört. Auch können Bewegungsmuster aus einer vorausgegangenen Problematik (z. B. Schonhinken, Angstzittern) unter verschiedenen Umständen in krankhafte Dauerzustände übergehen.

Menschen, die bereits eine andere neurologische Bewegungsstörung haben, können zusätzlich funktionelle Ausfälle entwickeln. Wichtige psychische Risikofaktoren sind traumatische Erfahrungen (z. B. körperliche und/oder emotionale Traumatisierung, wie nach einem Unfall) oder eine vorbestehende Angststörung.

Funktionelle Bewegungsstörungen entwickeln sich in der Regel rasch, oft in Folge einer schmerzhaften oder bedrohlichen Verletzung oder eines anderen einschneidenden Erlebnisses. Der Verlauf kann chronisch über mehrere Jahre sein, wobei Phasen der Besserung und Verschlechterung typisch sind. Auch ist ein Wechsel der Symptome mit der Zeit nicht untypisch. Es kann zum Beispiel von einem Schwindelsyndrom zu einer zittrigen Bewegungsstörung kommen.

Eine funktionelle Bewegungsstörung wird üblicherweise am charakteristischen klinischen Erscheinungsbild erkannt. Wichtig ist zu betonen, dass funktionelle Bewegungsstörungen keine „Ausschlussdiagnose“ darstellen, da spezielle neurologische Untersuchungstechniken oft schon eine eindeutige positive Diagnose erlauben. Gelegentlich werden zusätzliche bildgebende oder elektrophysiologische Verfahren angewandt, um die Diagnose zu stützen. Bei komplexen Störungen kann die Untersuchung an einem spezialisierten Zentrum erforderlich sein.

Bei der Behandlung funktioneller Bewegungsstörungen kommen sowohl physiotherapeutische als auch psychotherapeutische Verfahren zum Einsatz. Ideal ist eine Kombination beider Ansätze. Ziel der Therapie ist ein „Umlernen“, damit sich die unbewusste Bewegungskontrolle schrittweise normalisieren kann.

Wenn die Beschwerden bereits chronisch sind, also seit vielen Monaten bestehen, ist eine spontane Heilung unwahrscheinlich. Eine gezielte Rehabilitation mit Physiotherapie, Ergotherapie, Psychotherapie und anderen Behandlungsmodulen kann bei einem Großteil der Patienten zu anhaltender Symptomlinderung führen.

Funktionelle Bewegungsstörungen können sehr unterschiedlich sein. Während sie bei manchen Patienten den Alltag kaum einschränken, führen sie bei anderen zu einer schwergradigen Behinderung. Der Umgang mit den eigenen Symptomen sollte die Balance zwischen Akzeptanz und engagierter Therapieteilnahme (einschließlich selbstständiger Übungen) finden. Operative Verfahren und Phasen von Immobilisation sind sehr kritisch zu sehen und sollten in der Regel vermieden werden. Hilfsmittel sollten nur zeitlich begrenzt in Anspruch genommen werden, da sie der Normalisierung der Körperfunktionen entgegenwirken können.

Autoren: Dr. Stoyan Popkirov, Oberarzt, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum & PD Dr. Christos Ganos, Oberarzt, Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin

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