Eingeklemmter Nerv (Karpaltunnelsyndrom)

Auf einen Blick

Hier finden Sie das Wichtigste auf einen Blick. Ausführliche Informationen haben wir weiter unten zusammengestellt.

Häufigkeit – Eingeklemmter Nerv steht umgangssprachlich für plötzliche Schmerzen, die sich anfühlen, als hätte sich tatsächlich ein Nerv „eingeklemmt“. Medizinisch gesehen ist das aber fast nie der Fall. Meist lösen Muskelverspannungen die Schmerzen an Rücken, Schultern und Hals aus. Mehr dazu erfahren Sie bei Gesundheitsinformation.de.

Eher zutreffend ist der Begriff eingeklemmter Nerv bei Druckschäden an Nerven. Häufig betreffen sie den Karpaltunnel am Handgelenk. Durch ihn verlaufen die Beugesehnen der Finger und der Mittelnerv. In Deutschland haben 8 bis 10 von 100 Personen solche Beschwerden, Frauen doppelt so häufig wie Männer.

Auch bei Bandscheibenvorfällen mit Nervenschädigungen spricht man vielfach von einem eingeklemmten Nerv. Hier drückt der Bandscheibenvorfall, oft begleitet von knöchernen vorbestehenden Einengungen, auf die entsprechende Nervenwurzel.

Hauptsymptome – Meist macht sich ein eingeklemmter Nerv durch Schmerzen oder ein Kribbeln bemerkbar. Im Verlauf gibt es auch bleibende Gefühlsstörungen und Lähmungen in dem Bereich, den der Nerv versorgt.

Diagnostik – Zunächst versucht der Arzt oder die Ärztin die Ursachen mit Fragen und einer körperlichen Untersuchung herauszufinden. Eine wichtige Methode ist auch zu messen, wie leitfähig der betroffene Nerv ist. Wenn nötig, untersucht man die Stelle noch mit Ultraschall.

Behandlung – äußeren Druck vermeiden, Nerv ruhigstellen und entlasten, abschwellende Maßnahmen wie Kühlung, wenn nötig operative Therapie

Wichtig zu beachten – Die Symptome eines eingeklemmten Nervs lassen sich in der Regel leicht erkennen. Wenn sie nicht von selbst aufhören und länger als einige Stunden anhalten, sollte ein Neurologe sie untersuchen.

Hauptsymptome eines eingeklemmten Nervs sind zunächst Schmerzen und unangenehme Missempfindungen. Sie sind vergleichbar mit den Beschwerden bei einer „eingeschlafenen“ Hand. Meist gehen sie durch Bewegen wieder weg. Wenn der Druck auf den Nerv anhält, kommen Ausfälle von Sensibilität und Motorik dazu (etwa anhaltende Taubheit, Lähmungen der Muskeln).

Ein eingeklemmter Nerv kann durch Druck von außen entstehen oder enge Stellen im Verlauf des Nervs. Häufig entstehen die Beschwerden, wenn beide Faktoren zusammenkommen. Eine typische Stelle ist der Karpaltunnel an der Innenseite des Handgelenks. Hier kann der Druck den Mittelnerv schädigen.

Eine andere Stelle ist der Ellennerv am Ellenbogen direkt zwischen Haut und Knochen. Betroffen ist oft auch der Wadenbeinnerv unterhalb des Knies. Eingeklemmte Nerven in anderen Körperregionen kommen vor, sind aber deutlich seltener.

Auch bei Bandscheibenvorfällen mit Nervenschädigungen spricht man häufig von einem eingeklemmten Nerv. Hier drückt der Bandscheibenvorfall, oft begleitet von knöchernen vorbestehenden Einengungen, auf die entsprechende Nervenwurzel.

Zu eingeklemmten Nerven können wiederholende, eintönige Tätigkeiten wie Hobeln oder Schleifen führen. Das gilt auch für langanhaltenden, vom Patienten nicht wahrgenommenen Druck von außen. Das kann etwa bei Narkosen, im Schlaf oder im Alkohol- oder Drogenrausch vorkommen.

Im Verlauf eines Nervs kann es anlagebedingt besonders enge Stellen geben. Das begünstigt bei manchen Patienten die Beschwerden. Spezielle Faktoren können die Stellen weiter einengen. Hierzu gehören Schwangerschaften mit hormonell bedingter Wassereinlagerung, Rheuma mit knöchernen Einengungen und Schwellungen von Weichteilen. Risikobehaftet ist auch ein Diabetes mellitus, der zu einer besonderen Verletzlichkeit des Nervs führt.

Selten kann auch eine genetische Veranlagung der Grund sein. Hier reagieren Nerven bereits auf kurz anhaltenden Druck mit einer dauerhaften Schädigung. Haben Betroffene wiederholt Druckschäden in verschiedenen Körperregionen, empfiehlt sich eine Suche nach genetischen Gründen. Das geschieht mit einer Blutuntersuchung.

Wenn starker Druck Nerven nur beschädigt, aber nicht zerstört, können sie sich vollständig erholen. Je nach Ausmaß des Schadens passiert das innerhalb von Wochen bis Monate. Bei dauerhaftem Druck werden die Beschwerden nur besser, wenn er wegfällt. Das kann eine Operation erforderlich machen. In beiden Fällen können Restschäden bestehen bleiben. Das ist umso wahrscheinlicher, je länger die Schädigung besteht.

Die Diagnose stellt man ganz überwiegend aufgrund der geschilderten Beschwerden und einer körperlichen neurologischen Untersuchung. Das Ergebnis bestätigt eine Messung, wie schnell und wie stark betroffene Nerv Stromreize leiten. Damit lässt sich auch der Schweregrad der Nervenschädigung bestimmen.

Zusätzlich lässt sich herausfinden, ob und wie betroffene Muskeln bereits Schäden haben. Dabei misst man mit einer dünnen Nadel die elektrische Muskelaktivität. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall und MRT können den eingeengten Nerv manchmal direkt darstellen. So lässt sich die genaue Stelle der Einengung auffinden.

Vorrangiges Therapieziel ist, den betroffenen Nerv dauerhaft vor Druck zu schützen und zu entlasten. Betroffene können Tätigkeiten oder Haltungen vermeiden, die zu erhöhtem Druck an besonders gefährdeten Stellen führen. Das kann etwa sein, wenn Betroffene die Beine beim Sitzen übereinanderschlagen oder den Ellenbogen aufstützen. Gleiches gilt für Tätigkeiten, die Druck auf das Handgelenk ausüben.

Helfen können auch ein Ruhigstellen der betroffenen Stellen mit Schienen oder abschwellende Medikamente. Mitunter ist eine Operation nötig, um den Nerv vom Druck zu entlasten. Diese erfolgt in lokaler Betäubung offen mit einem Hautschnitt oder mit einem Endoskop. Ins Krankenhaus muss man dazu meistens nicht.

Die Chance, dass ein eingeklemmter Nerv sich erholt, ist meist gut. Je länger und je stärker er aber geschädigt wird, desto schlechter ist die Erholung. Den richtigen Zeitpunkt für einen operativen Eingriff gilt es dabei nicht zu verpassen. Bleiben Defizite, helfen Ergotherapie und Krankengymnastik.

Ganz im Vordergrund steht, weitere Druckeinwirkung auf den Nerv zu vermeiden. Besondere Vorsicht gilt für Situationen, in denen man die frühen Symptome nicht bemerkt (wie Narkose, Schlaf und Rauschzustände).

Autorin: PD Dr. Andrea Jaspert-Grehl, Klinik für Neurologie, Alfried Krupp Krankenhaus, Essen
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