Dissoziativer Anfall

Auf einen Blick

Hier finden Sie das Wichtigste auf einen Blick. Ausführliche Informationen haben wir weiter unten zusammengestellt.

Häufigkeit – Dissoziative Anfälle treten relativ selten auf. Insgesamt sind zwischen 2 und 33 Personen pro 100.000 Menschen betroffen.

Hauptsymptome – Während des Anfalls kommt es zu einem plötzlichen Verlust der Kontrolle über den eigenen Körper, oft begleitet von einer starken Einschränkung der Bewusstseinsfunktionen. Dies äußert sich meist in Form von Verkrampfungen, Zuckungen oder plötzlichen Ohnmachtsanfällen.

Diagnostik – In vielen Fällen kann anhand des charakteristischen Erscheinungsbilds der Anfälle die korrekte Diagnose gestellt werden. Häufig ist zur Unterscheidung von Epilepsie eine Untersuchung in einem Epilepsie-Zentrum notwendig.

Behandlung – Die wichtigste Behandlungsart ist die Psychotherapie, wobei verschiedene Methoden wie Verhaltenstherapie, körperorientierte oder tiefenpsychologische Therapie zum Einsatz kommen.

Wichtig zu beachten – Zwar ist die Aussicht auf eine spontane Heilung gering, jedoch erreicht ein Großteil der Patienten durch gezielte Therapie eine deutliche Abnahme der Anfallshäufigkeit, jeder zweite wird sogar anfallsfrei.

Dissoziative Anfälle werden auch nicht epileptische, psychogene oder funktionelle Anfälle genannt. Während des Anfalls kommt es zu einem plötzlichen Verlust der Kontrolle über den eigenen Körper, oft begleitet von einer starken Einschränkung der Bewusstseinsfunktionen. Die Anfälle können sehr unterschiedlich aussehen. Typischerweise kommt es, ähnlich wie bei epileptischen Anfällen, zu Verkrampfungen und Zuckungen, möglich sind auch plötzliche Ohnmachtsanfälle. Wenn das Bewusstsein während des Anfalls erhalten bleibt, können Herzpochen, Missempfindungen, Gedankenrasen, Denkblockaden oder ein Gefühl der Entfremdung auftreten. Neben den Anfällen berichten viele Patienten über fortwährende Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und Probleme mit dem Schlaf.

Die Ursachen dissoziativer Anfälle sind in der Regel komplex und individuell unterschiedlich. Man geht davon aus, dass es sich um eine automatisierte, d. h. reflexartige Körperreaktion handelt, die ursprünglich eine schützende oder abwehrende Funktion hatte. Vorausgegangene Krankheitszustände wie ein epileptischer Anfall, ein Kreislaufkollaps oder eine Gehirnerschütterung können dazu beitragen, dass später dissoziative Anfälle auftreten. Auch wenn diese dissoziativen Anfälle dann den vorhergehenden Krankheitszuständen ähneln, sind die zugrunde liegenden Mechanismen andere.

Verschiedene andere Krankheiten können bei Patienten mit dissoziativen Anfällen zusätzlich vorliegen und scheinen die Entwicklung und Aufrechterhaltung der Störung zu begünstigen. Dazu gehören Epilepsie, Migräne, Schlafstörungen, chronische Schmerzen, Depression, Angst- und Panikstörungen, Persönlichkeitsstörungen und posttraumatische Belastungsstörungen.

Ohne spezifische Therapie bleiben dissoziative Anfälle oft über Jahre bestehen. Mit entsprechender Therapie kann jedoch bei einem Großteil der Betroffenen eine deutliche Reduktion der Anfälle, ein verbesserter Umgang mit den Anfällen oder sogar Anfallsfreiheit erreicht werden.

In vielen Fällen kann anhand des charakteristischen Erscheinungsbilds der Anfälle die korrekte Diagnose gestellt werden. Gelegentlich muss zur Unterscheidung zwischen dissoziativen Anfällen und anderen Anfallskrankheiten eine Diagnostik im Krankenhaus erfolgen, wobei Hirnstrommessung (EEG) und andere Untersuchungsmethoden zum Einsatz kommen. Zur sicheren Unterscheidung von einer Epilepsie ist oft die Untersuchung in einem Epilepsie-Zentrum notwendig. Eine psychologische oder psychiatrische Untersuchung wird zum ganzheitlichen Verständnis des Krankheitsbilds und zur Therapiefindung empfohlen.

Therapie der Wahl ist die Psychotherapie, wobei verschiedene Methoden wie Verhaltenstherapie, körperorientierte oder tiefenpsychologische Therapie zum Einsatz kommen. Ein Ansatz besteht darin, Empfindungen, Gedanken oder Gefühle zu erkennen, die den Anfällen vorausgehen. Durch die Entwicklung neuer Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit diesen Warnzeichen kann es gelingen, die Anfallsreaktion durch bestimmte Techniken zu verkürzen oder einen Anfall sogar gänzlich zu vermeiden. Gleichzeitig sollten relevante Belastungen und Probleme im Alltag erkannt und bei der Behandlung mitberücksichtigt werden. Spezifische Medikamente gegen dissoziative Anfälle gibt es nicht. Typische Begleiterkrankungen wie Epilepsie oder Depression müssen ebenfalls behandelt werden.

Dissoziative Anfälle sind meistens ein langjähriges Problem und eine spontane Heilung ist selten. Durch gezielte Therapie erreicht ein Großteil der Patienten eine deutliche Abnahme der Anfallshäufigkeit, jeder zweite wird sogar anfallsfrei.

Dissoziative Anfälle können verschiedene Einschränkungen im Alltag bedingen. Wichtig ist es, die Mitmenschen über die Krankheit zu informieren, damit diese angemessen und unterstützend auf Anfälle reagieren können.

Autoren: Dr. Stoyan Popkirov & Dr. Rosa Michaelis, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum

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