Fall des Monats
Karina Düro hat regelmäßig Migräne-Anfälle. Sie hat mehrere klassische Schmerzmittel erfolglos ausprobiert. Ihre Hausärztin scheut sich, der 19-Jährigen hochwirksame Triptane zu verschreiben, eine Gruppe von Medikamenten speziell gegen Migräne. Dr. Wolf-Oliver Krohn, Neurologe und Patientenberater der Deutschen Hirnstiftung, kennt dieses Problem aus der Praxis. Immer wieder werde gerade jüngeren Frauen von einer Behandlung mit Triptanen abgeraten. Dabei sind sie die Hauptgruppe unter den Betroffenen.
Triptane: Falsche Sorge vor einem Schlaganfall
„Der Grund dafür ist die Angst vor einem Schlaganfall“, sagt Krohn. Besonders verbreitet sei diese ärztliche Sorge im Hinblick auf Frauen, die die „Pille“ nehmen. Diese erhöht das Schlaganfallrisiko anfangs etwas [1]. Die zusätzliche Einnahme eines Triptans verstärkt die Gefahr aber nicht, wie unlängst eine große Studie aus Dänemark zeigte [2]. Dort wurden alle Menschen erfasst, die zum ersten Mal ein Triptan einnahmen, also auch Frauen mit der Pille. Das Schlaganfallrisiko durch ein Triptan war verschwindend gering und betraf vor allem Menschen über sechzig mit erhöhtem Risiko für Gefäßerkrankungen.
Leidensdruck bei Nicht-Behandelten teilweise massiv
Die unberechtigte Sorge vor Schlaganfällen durch Triptane hat allerdings Konsequenzen. Nur etwa sieben Prozent der Migräne-Betroffenen erhalten die Medikamente gegen ihr Leiden. Das zeigte die Studie BURDEN 2020 [3]. Bis zu 10 Millionen Menschen in Deutschland haben Migräne und „der Leidensdruck ist für die Betroffenen teilweise massiv“, sagt Krohn.
Triptane, Vorbeugung und andere Mittel helfen
Zunächst gelte es, konsequent die akuten Schmerzen zu lindern, rät der Hirnstiftungs-Neurologe. Dabei haben sich die Triptane bewährt, wenn die klassischen Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen nicht ausreichend wirken. Die Zahl der Migräne-Anfälle lässt sich zudem durch Sport, Entspannung und die Suche nach Auslösern verringern, etwa Schlafmangel und Stress. Vorbeugend wirkt eine Reihe von Medikamenten, wie zum Beispiel Beta-Blocker. Helfen diese nicht, können sogenannte CGRP-Antikörper verschrieben werden. Sie setzen an der Wurzel des Problems an und hemmen bestimmte Botenstoffe zwischen Nervenzellen, die am Entstehen der Anfälle beteiligt sind.
Hier erfahren Sie mehr zum Thema Migräne und wie man sie am besten behandelt.
Quellen:
[1] Thrombotic stroke and myocardial infarction with hormonal contraceptionÖffnet in neuem Tab
[2] Risk of Stroke and Myocardial Infarction Among Initiators of TriptansÖffnet in neuem Tab
[3] Migräne und Spannungskopfschmerz in Deutschland. Prävalenz und Erkrankungsschwere im Rahmen der Krankheitslast-Studie BURDEN 2020Öffnet in neuem Tab
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