Trigeminusneuralgie
Plötzliche, blitzartige Gesichtsschmerzen zählen zu den charakteristischen Symptomen. Obwohl eine vollständige Heilung selten ist, bieten moderne Therapien gute Möglichkeiten, die Schmerzattacken zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.
Autor: Dr. med. Wolf-Oliver Krohn, Facharzt für Neurologie, Deutsche Hirnstiftung

Wir beraten Sie kostenfrei
Wissen, Orientierung, Unterstützung: Unser Beratungsangebot wird derzeit weiterentwickelt
Häufige Fragen
Was triggert eine Trigeminusneuralgie?
Auslöser sind oft ein Berühren des Gesichts, Sprechen oder Zähneputzen. Im Herbst und Winter kommen kalte Luft oder Husten hinzu. Trigeminusneuralgie tritt meistens ohne erkennbare Ursache auf. Möglich ist, dass ein Blutgefäß eine Schlinge bildet und auf den Nerven drückt. Mehr erfahren
Welche Folgen kann eine Trigeminusneuralgie haben?
Begleitend zu den Schmerzen können reflektorische Spasmen der Gesichtsmuskulatur, Hautrötung und Augentränen (Epiphora) auftreten. Bei länger bestehenden Trigeminusneuralgien kommt es in Folge der massiven Schmerzen häufig zu depressiven Verstimmungen, die bis zum Suizid führen können. Mehr erfahren
Was ist eine häufige Fehldiagnose bei Trigeminusneuralgie?
Trigeminusneuralgie wird am häufigsten fälschlicherweise als akute Migräne diagnostiziert. Auch Kiefergelenkserkrankungen, Cluster-Kopfschmerzen und Nervenschmerzen nach Gürtelrose (postherpetische Neuralgie) sollten in die Differentialdiagnose einbezogen werden. Mehr erfahren
War Ihre Frage nicht dabei? Dann stellen Sie diese doch als Online-Anfrage.

Symptome
Trigeminusneuralgie verursacht blitzartige, einseitige Gesichtsschmerzen durch Reize wie Berührung oder Kälte.
Trigeminusneuralgie bezeichnet den Nervenschmerz (Neuralgie) des sogenannten Trigeminusnervs im Gesicht. Betroffene beschreiben den Schmerz als plötzliche, einschießende Attacken. Er zieht in den Unterkiefer, die Wange oder die Augenpartie einer Gesichtshälfte. Das dauert Bruchteile einer Sekunde.
Auslöser sind oft ein Berühren des Gesichts, Sprechen oder Zähneputzen. Im Herbst und Winter kommen kalte Luft oder Husten hinzu.

Ursachen
Meist drückt ein Blutgefäß auf den Nerv; andere Krankheiten sind seltene Auslöser.
Trigeminusneuralgie tritt meistens ohne erkennbare Ursache auf. Möglich ist, dass ein Blutgefäß eine Schlinge bildet und auf den Nerven drückt. Andere Erkrankungen sind meist nicht der Auslöser. Hier kommt Nervenschmerz nur selten als Symptom vor, zum Beispiel bei Multipler Sklerose und einigen gutartigen Hirntumoren.
Ein falscher Verdacht fällt oft auf die Zähne. Denn der Gesichtsnerv ist für ihr Schmerzempfinden zuständig. Unnötige Eingriffe gibt es auch in den Nasennebenhöhlen. Die Schmerzen bleiben danach unverändert.

Risikofaktoren
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, klare Auslöser gibt es meist nicht.
Mit dem Alter steigt das Risiko für eine Trigeminusneuralgie. Bei den meisten Menschen bleibt die Ursache der Schmerzen unbekannt. Vorbeugende Maßnahmen gibt es für die Trigeminusneuralgie deshalb nicht.

Verlauf
Die Schmerzen kommen schubweise und können plötzlich wieder verschwinden oder zurückkehren.
Die Symptome einer Trigeminusneuralgie treten schubweise auf. Mal haben Betroffene eine Zeit lang wenig Schmerzen. Mal haben sie mehrmals am Tag Attacken. Das Problem tritt oft über Monate täglich auf und verschwindet plötzlich wieder.
Bei einem dauerhaften Schmerz kann sich die Schmerzverarbeitung im Gehirn verändern. Das kann zu einem Ungleichgewicht der Botenstoffe wie Serotonin oder Dopamin im Gehirn führen. Die Kombination aus körperlichem Schmerz, emotionaler Belastung sowie sozialer Einschränkung kann daher oft bei Betroffenen zu depressiven Verstimmungen führen.

Diagnose
Die Diagnose basiert auf der Schmerzbeschreibung, ergänzt durch MRT und neurologische Untersuchungen.
Die Diagnose beruht zunächst darauf, dass Betroffene den Schmerz und die Auslöser gut beschreiben. Schildern Sie die Art und die Dauer der Schmerzen. Wann und wie oft treten Sie auf? Gibt es zusätzliche Symptome wie Taubheitsgefühle?
Eine neurologische Untersuchung und eine MRT (Magnetresonanz-Tomographie) schließen andere Krankheiten als Ursache aus. Befunde vom Zahnarzt, Augenarzt und vom HNO-Arzt ergänzen das. Das verhindert unnötige operative Eingriffe.

Therapie und Behandlung
Medikamente beruhigen den überempfindlichen Nerv und lindern so die Schmerzattacken.
Seltene Ursachen für die Nervenschmerzen wie Gefäßschlingen oder andere Krankheiten behandelt der Arzt oder die Ärztin zuerst. Bei den meisten Betroffenen findet sich kein solcher Auslöser. Sie erhalten Medikamente, die überempfindliche Nervenzellen beruhigen und so die Schmerzen lindern. Meist sind das Mittel, die auch Menschen mit Epilepsie oder Depression helfen, wie zum Beispiel Carbamazepin.
Manchmal erhalten Erkrankte verschiedene Wirkstoffe nacheinander. So findet sich eine wirksame und verträgliche Therapie am besten. Ziel ist, dass die Betroffene keinerlei Schmerzen mehr haben.

Aussicht auf Heilung
Bei bekannter und behandelbarer Ursache ist eine Heilung möglich.
Heilen lässt sich Trigeminusneuralgie nur, wenn eine andere heilbare Krankheit die Ursache ist.

Alltag
Psychologische Unterstützung hilft, mit den Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu erhalten.
Bei schweren Schmerzen hilft eine zusätzliche Behandlung. Hilfreich ist eine Psychotherapie. Sie ist oft Teil einer multimodalen Schmerztherapie. Denn dauerhafte Schmerzen belasten auch psychisch stark. Betroffene lernen so, dass trotz der Schmerzen eine gute Lebensqualität möglich ist.

Zusammenfassung
Hier finden Sie das Wichtigste auf einen Blick. Ausführliche Informationen haben wir weiter unten zusammengestellt.
Häufigkeit – Die Trigeminusneuralgie ist eine relativ seltene Erkrankung
Hauptsymptome – Intensive, kurz dauernde, wiederkehrende Schmerzen in einem Bereich des Gesichts
Diagnostik – Genaue Beschreibung der Schmerzen, körperliche Untersuchung und ein MRT des Kopfes
Behandlung – Meistens wird mit Schmerzmedikamenten gegen Nervenschmerzen erfolgreich behandelt
Wichtig zu beachten – Auch wenn der Schmerz in die Zähne zieht, sind oft die Zähne nicht schuld am Schmerz. Zähne zu ziehen bringt bei der Trigeminusneuralgie keine Schmerzlinderung
Unterstützen Sie unsere Arbeit
Mit Ihrer Hilfe können wir unsere bundesweite Aufklärung zu neurologischen Erkrankungen ausweiten. Ab einer Spende von 200 Euro stellen wir gerne eine Spendenbescheinigung aus.
Wir beraten Sie kostenfrei
Um künftig mehr Menschen schneller und besser unterstützen zu können, bauen wir unser Beratungsangebot derzeit aus. Nutzen Sie gerne bis auf Weiteres unsere digitalen Angebote.


