Narkolepsie
Die Narkolepsie ist eine chronische Erkrankung, für die es derzeit keine kurative (heilende) Therapie gibt. Spontane Heilungen kommen vor, sind allerdings sehr selten.
Autorin: Dr. med. Anna Heidbreder, Medizinische Universität Innsbruck, Universitätsklinik für Neurologie, Schlaflabor

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Häufige Fragen
Was sind die ersten Anzeichen von Narkolepsie?
Die häufigsten ersten Anzeichen sind eine ausgeprägte Tagesschläfrigkeit mit plötzlichem Einschlafen in ruhigen Situationen. Bei Narkolepsie Typ 1 treten zusätzlich Kataplexien auf, also kurze, meist durch Emotionen ausgelöste Phasen mit plötzlichem Verlust der Muskelkontrolle. Auch Schlaflähmungen und lebhafte Halluzinationen beim Einschlafen oder Aufwachen können frühe Hinweise sein. Mehr erfahren
Wie wird Narkolepsie festgestellt??
Die Diagnose erfolgt in einem Schlaflabor durch eine Polysomnographie (Nachtschlafmessung) und einen Multiplen Schlaflatenztest am Tag. Zusätzlich kann eine Liquoruntersuchung zur Bestimmung des Hypokretin-Spiegels sowie eine MRT des Kopfes zur Abklärung anderer Ursachen durchgeführt werden. Mehr erfahren
Ist Narkolepsie heilbar?
Nein, Narkolepsie ist derzeit nicht heilbar, gilt aber als gut behandelbar. Die Symptome wie Tagesschläfrigkeit oder Kataplexien lassen sich mit individuell angepasster Medikation, geregeltem Schlafverhalten und verhaltenstherapeutischer Unterstützung deutlich lindern. Mehr erfahren
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Symptome
Narkolepsie verursacht starke Tagesschläfrigkeit.
Bei der Narkolepsie werden zwei Formen unterschieden. Während bei der Narkolepsie Typ 1 neben einer exzessiven Tagesschläfrigkeit auch Kataplexien auftreten, fehlen diese bei der Narkolepsie Typ 2. Die exzessive Tagesschläfrigkeit, die bei beiden Formen der Narkolepsie auftritt, ist gekennzeichnet durch das Unvermögen, sich vor allem in monotonen Situationen, aber auch sonst wach zu halten, was dazu führt, dass die Betroffenen ungewollt einschlafen. Die kurzen Schlafpausen werden oft als erholsam wahrgenommen.
Typ 1 der Narkolepsie verursacht Tagesschläfrigkeit mit plötzlichem Verlust der Muskelkontrolle, Typ 2 nur die Tagesschläfrigkeit.
Die Tagesschläfrigkeit mit Einschlafen in sozial nicht angemessenen Situationen führt zu einer relevanten Beeinträchtigung am Arbeitsplatz, in der Schule oder auch bei der Teilnahme an anderen sozialen Aktivitäten. Kataplexien, die nur bei der Narkolepsie Typ 1 auftreten, sind gekennzeichnet durch einen plötzlichen unerwarteten Muskeltonusverlust, der meist im Gesicht und Nacken beginnt und sich auf den ganzen Körper ausdehnen und somit auch zum Sturz des Betroffenen führen kann. Ausgelöst werden können Kataplexien durch Emotionen, z. B. herzhaftes Lachen.
Nicht immer treten schlafassoziierte Halluzinationen (hypnagog: beim Einschlafen, hypnopomp: beim Erwachen), Schlaflähmungen (die Unfähigkeit, während des Aufwachens willentliche Bewegungen auszuführen) und automatisches Handeln/Verhalten (Fortführung ausgeführter Tätigkeiten z. B. Schreiben, obwohl Betroffene bereits schlafen) auf.

Ursachen
Narkolepsie Typ 1 entsteht durch den Verlust von Hypokretin-Zellen im Gehirn, während die Ursache von Typ 2 unklar ist.
Für die Narkolepsie Typ 1 ist bekannt, dass es zu einem wahrscheinlich immunvermittelten Untergang von Hypokretin bildenden Zellen des Gehirns kommt. Hypokretin ist unter anderem wichtig für die Schlaf-Wach-Regulation. Als genetischer Faktor besteht eine spezifische HLA-Assoziation bei der Narkolepsie Typ 1. Bei der Narkolepsie Typ 2 ist die Ursache noch nicht abschließend geklärt. Es gibt jedoch Hinweise dafür, dass manche Patienten mit einer Narkolepsie Typ 2 im Verlauf eine Narkolepsie Typ 1 entwickeln können, sodass eine Verwandtschaft der beiden Erkrankungen wahrscheinlich zu sein scheint.

Risikofaktoren
Ein bestimmter Gendefekt kann das Risiko für Narkolepsie erhöhen.
Prädisponierender Faktor für eine Narkolepsie ist die HLA-Konstellation (HLA-DQB*1 0602), das heißt aber nicht, dass jeder, der eine narkolepsietypische HLA-Konstellation hat, auch eine Narkolepsie hat, da diese HLA-Konstellation auch bei ca. 38 % der Normalbevölkerung vorliegt.
Verlauf
Die Narkolepsie verläuft chronisch, wobei sich die Symptome über die Jahre verändern können.
Die Narkolepsie ist eine chronische Erkrankung, für die es derzeit keine kurative (heilende) Therapie gibt. Spontane Heilungen kommen vor, sind allerdings sehr selten. Sowohl die Tagesschläfrigkeit als auch die Kataplexie lassen sich durch Medikamente gut kontrollieren oder zumindest verbessern. Die Aufklärung über die Erkrankung ist wichtig, um im Alltag besser zurechtzukommen und die Lebenssituation auf die Bedürfnisse anzupassen (z. B. Planen von Tagschlafpausen, Einrichtung des Arbeitsplatzes). Bei der Narkolepsie Typ 1 wird berichtet, dass Kataplexien im Verlauf des Lebens an Frequenz und Schwere abnehmen.

Diagnose
Die Diagnose der Narkolepsie erfolgt im Schlaflabor durch Schlafmessungen und Untersuchungen des Nervenwassers.
Die Diagnose wird im Schlaflabor gestellt. Dort werden eine Video-Polysomnographie (Nachtschlafuntersuchung) und ein Multipler Schlaflatenztest (eine Tagschlafuntersuchung) durchgeführt. In manchen Fällen wird auch eine Liquor (Nervenwasser)-Untersuchung zur Bestimmung des Hypokretins durchgeführt. Zum Ausschluss einer anderen Ursache von exzessiv gesteigerter Tagesschläfrigkeit sollte auch einmalig eine Bildgebung des Kopfes mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt werden.

Therapie und Behandlung
Die Narkolepsie wird mit Medikamenten und Alltagsanpassung behandelt.
Therapie und Behandlung: Symptomatisch wird die Tagesschläfrigkeit mit Stimulanzien und die Kataplexien mit Antikataplektika behandelt. Die eingesetzten Medikamente werden individuell auf die Betroffenen eingestellt, in Abhängigkeit von den im Vordergrund stehenden Symptomen, welche sich im Laufe des Lebens ändern können.
Neben der medikamentösen Behandlung sollten auch regelmäßige Tagschlafpausen eingeplant werden. Außerdem sollte auf regelmäßige körperliche Aktivität und eine ausgewogene Ernährung geachtet werden. Für viele Betroffene ist der Austausch mit anderen Betroffenen hilfreich (Selbsthilfegruppen).

Aussicht auf Heilung
Eine Heilung der Narkolepsie ist derzeit nicht möglich, doch Medikamente können die Symptome wirksam lindern.
Derzeit gibt es noch keine Therapie, die zu einer Heilung der Narkolepsie führt, allerdings gibt es viele Medikamente, die die Symptome der Narkolepsie verbessern können. Spontanheilungen sind bei der Narkolepsie selten möglich.
Alltag
Schlafmedizinische Zentren sind bei länger bestehenden Symptomen eine gute Anlaufstelle.
Es ist schwierig, die Diagnose zu stellen. In Europa dauert es im Durchschnitt fast zehn Jahre, bis die Erkrankung erkannt wird. Ist die Diagnose bei den meist jungen Patienten gestellt, können die zum Teil lebenseinschränkenden Symptome durch die zur Verfügung stehenden Medikamente sehr gut verbessert werden. Sinnvoll ist dabei die Anbindung an Schlafmedizinische Zentren.

Zusammenfassung
Hier finden Sie das Wichtigste auf einen Blick. Ausführliche Informationen haben wir weiter unten zusammengestellt.
Häufigkeit – Das Auftreten der Narkolepsie mit Kataplexie (Narkolepsie Typ 1) wird in Europa auf ca. 0,02–0,18 % geschätzt. Die Narkolepsie ohne Kataplexie (Narkolepsie Typ 2) tritt seltener auf, genaue Häufigkeitsdaten fehlen jedoch.
Hauptsymptome – Kardinalsymptom beider Formen ist die exzessiv gesteigerte Tagesschläfrigkeit mit dem Auftreten von Sleep-Onset-REM-Episoden im Multiplen Schlaflatenztest (SOREM). Bei der Narkolepsie Typ 1 treten zusätzlich Kataplexien (emotionsgetriggerter Muskeltonusverlust bei erhaltenem Bewusstsein) auf. Zu den fakultativen Symptomen (Symptome, die nicht immer auftreten) beider Formen der Narkolepsie gehören schlafassoziierte Halluzinationen (hypnagog: beim Einschlafen; hypnopomp: beim Erwachen), Schlaflähmungen (die Unfähigkeit, während des Aufwachens oder Einschlafens willentliche Bewegungen auszuführen) und automatisches Handeln/Verhalten (Ausführen/Fortführen von Tätigkeiten im Schlaf).
Diagnostik – Für die Diagnose sind die Durchführung einer Schlaflaboruntersuchung mittels Video-Polysomnographie (VPSG) und Multiplem Schlaflatenztest (MSLT) und eine Tagschlafuntersuchung notwendig. Außerdem sollte vor der Schlaflaboruntersuchung eine Aktigraphie (Bewegungsaufzeichnung) für mindestens sieben Tage erfolgen. Eine Nervenwasser (Liquor)-Untersuchung ist ergänzend sinnvoll.
Behandlung – Die medikamentöse Behandlung der Narkolepsie erfolgt derzeit ausschließlich symptomorientiert. Angestrebt werden eine Verbesserung der Tagwachheit und eine Verminderung der Kataplexien. Neben der medikamentösen Behandlung gibt es wichtige Verhaltensmaßnahmen wie das Einhalten von Tagschläfchen (Naps), regelmäßige Bettliegezeiten in der Nacht und regelmäßige körperliche Aktivität.
Wichtig zu beachten – Eine neu auftretende Tagesschläfrigkeit v. a. bei jungen Erwachsenen sollte ernst genommen werden, insbesondere wenn zusätzliche Symptome auftreten. Bei schlafassoziierten Halluzinationen, Schlaflähmungen oder Nachlassen des Muskeltonus mit oder ohne Sturzattacken sollte unbedingt an eine Narkolepsie gedacht werden.
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