Kopfschmerzen
Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten Symptomen überhaupt, fast jeder kennt Kopfschmerzen. Allein in Deutschland gibt es circa 54 Millionen Betroffene.
Autor: Professor Dr. med. Christian Maihöfner, Chefarzt der Klinik für Neurologie, Klinikum Fürth
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Häufige Fragen
Was sind die häufigsten Arten von Kopfschmerzen?
Spannungskopfschmerzen sind die häufigste Form und stehen oft im Zusammenhang mit Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich.
Migräne äußert sich in wiederkehrenden Anfällen mit starken Kopfschmerzen, begleitet von Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit.
Cluster-Kopfschmerzen sind sehr heftige, attackenartige Schmerzen, die meist einseitig auftreten und als besonders quälend gelten. Mehr erfahren
Was sind mögliche Ursachen für Kopfschmerzen?
Kopfschmerzen können viele Ursachen haben. Häufig spielen Stress und muskuläre Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich eine Rolle.
Auch der Lebensstil wirkt sich aus – etwa durch Schlafmangel, Dehydration, schlechte Luft oder den Konsum von Alkohol und Nikotin. Zähneknirschen kann ebenso Kopfschmerzen auslösen. Ein Mangel an Magnesium oder Kalzium gilt ebenfalls als möglicher Auslöser.
Zudem kann der übermäßige Gebrauch von Schmerzmitteln zu einem sogenannten Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz führen. Mehr erfahren
Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?
Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn Kopfschmerzen plötzlich und sehr stark auftreten, von neurologischen Symptomen oder hohem Fieber begleitet werden, nach einer Kopfverletzung entstehen oder erstmals in höherem Alter auftreten. Auch bei häufigen oder stark belastenden Kopfschmerzen ist eine Abklärung sinnvoll. Mehr erfahren.
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Symptome und Ursachen
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society, IHS) kennt über 300 verschiedene Kopfschmerzformen und teilt die Kopfschmerzen in zwei große Gruppen auf: die primären und die sekundären Kopfschmerzen.
Primäre Kopfschmerzen
Bei einer Kopfschmerzerkrankung ohne andere Ursachen spricht man von primären Kopfschmerzen. Hierzu gehören Migräne, Kopfschmerz vom Spannungstyp und Clusterkopfschmerz. Zusätzlich gibt es noch eine Reihe von anderen selteneren primären Kopfschmerzen. Ungefähr 90 % aller Patienten haben primäre Kopfschmerzen.
Bei der Migräne hat man meist halbseitige Kopfschmerzen, die oft als pulsierend oder stechend beschrieben werden. Damit verbunden sind Übelkeit sowie eventuell Erbrechen, Lärm- und Lichtüberempfindlichkeit. Bei einem Teil der Patienten kommt es zu einer sogenannten Aura, in der neurologische Symptome wie beispielsweise Seh-, Sensibilitäts- oder Sprachstörungen auftreten können.
Für den Kopfschmerz vom Spannungstyp sind dumpfe Kopfschmerzen am gesamten Kopf (wie ein Ring um den Schädel) typisch. Neurologische Begleitsymptome fehlen.
Patienten mit Clusterkopfschmerzen haben während einer Attacke sehr heftige Schmerzen in der Augen- bzw. Schläfengegend einer Gesichtshälfte. Begleitend können dabei auf derselben Seite ein gerötetes und tränendes Auge, eine verstopfte Nase, eine Schwellung des Augenlids und ein vermehrtes Schwitzen der betroffenen Gesichtshälfte auftreten.
Der Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch tritt auf, wenn Patienten über einen längeren Zeitraum zu viele Schmerzmedikamente eingenommen haben. Die Kopfschmerzattacken werden dabei immer länger und man muss immer mehr Medikamente nehmen, um die Kopfschmerzen zu bekämpfen. Schmerzmedikamente oder spezifische Migränemedikamente (Triptane) sollten daher nie mehr als an 10 Tagen pro Monat und nicht länger als 3 Tage hintereinander eingenommen werden.
Sekundäre Kopfschmerzen
Treten die Kopfschmerzen als Symptom einer anderen Erkrankung auf, spricht man von den sekundären Kopfschmerzen. Wichtige Ursachen sind Hirnhautentzündung, Schlaganfälle, Gefäßentzündungen oder Nebenwirkungen von Arzneimitteln. Ungefähr 10 % aller Patienten haben sekundäre Kopfschmerzen.
Aufgrund der Vielzahl möglicher Kopfschmerzerkrankungen können sehr unterschiedliche Begleitsymptome auftreten. Die genaue Einordnung sollte durch einen Arzt, idealerweise durch einen Neurologen vorgenommen werden.
Warnsymptome für sekundäre Kopfschmerzformen: Eine ärztliche Untersuchung ist zu empfehlen, wenn Kopfschmerzen zum ersten Mal auftreten, außergewöhnlich stark sind oder es zu einer merklichen Veränderung von bekannten Kopfschmerzen kommt.
Gleichzeitige Symptome wie beispielsweise Bewusstlosigkeit, Fieber, Krampfanfälle, Seh- bzw. Sprachstörungen, Lähmungen oder eine Wesensveränderung müssen immer notfallmäßig neurologisch abgeklärt werden.
Verlauf
Der Verlauf ist bei den verschiedenen Kopfschmerzformen sehr unterschiedlich. Die Häufigkeit von Migräneattacken nimmt meist mit höherem Lebensalter ab. Bei den sekundären Kopfschmerzen hängt der Verlauf von der Grunderkrankung ab.
Diagnose
Zunächst finden ein ausführliches Anamnesegespräch und eine eingehende körperliche Untersuchung statt. Die Symptomatik der Migräne und des Kopfschmerzes vom Spannungstyp ist dabei für den Experten so charakteristisch, dass bei typisch geschilderten Verläufen und normalem Untersuchungsbefund keine weiteren apparativen Untersuchungen zwingend erforderlich sind.
Zur weiteren Abklärung von seltenen Kopfschmerzformen und bei Verdacht auf sekundäre Kopfschmerzen steht eine Reihe von verschiedenen Methoden zur Verfügung. Dazu gehören u. a. Blutuntersuchungen, die Untersuchung der Hirnströme (EEG), Bildgebung des Gehirns (CT oder MRT), Ultraschalluntersuchungen und die Analyse der Nervenflüssigkeit (sogenannte Liquorpunktion). Über den Einsatz der Methoden muss der untersuchende Arzt individuell entscheiden.
Therapie und Behandlung
Es existiert ein sehr großes Spektrum an möglichen Therapien. Bereits die Aufklärung des Patienten über die jeweilige Erkrankung, ihre Ursachen und Einflussgrößen gehört zur Behandlung.
Bei den primären Kopfschmerzformen unterscheidet man die Behandlung der akuten Kopfschmerzattacke und eine vorbeugende Behandlung.
Zur Behandlung des Kopfschmerzanfalls werden oft klassische Schmerzmedikamente (beispielsweise Ibuprofen bei der Migräne oder dem Kopfschmerz vom Spannungstyp) eingesetzt. Daneben gibt es auch spezifische Migränemedikamente (Triptane), die bei der Migräne und dem Clusterkopfschmerz zur Anwendung kommen. Wichtig ist auch eine gezielte Behandlung von Begleitsymptomen wie beispielsweise Übelkeit und Erbrechen. Bei einzelnen primären Kopfschmerzformen kommen auch spezielle Therapieformen zum Einsatz (z. B. Gabe von Sauerstoff beim Clusterkopfschmerz).
Vorbeugende Behandlungen können medikamentös oder nicht medikamentös sein. Eine medikamentöse Prophylaxe der Migräne kann u. a. mit Betablockern oder Antiepileptika erfolgen. Inzwischen gibt es aber auch sehr spezifische Präparate, die gezielt auf die Auslöser bei der Migräne wirken (Hemmung von CGRP). Nicht medikamentöse Maßnahmen sind u. a. das Erlernen von Entspannungsverfahren und regelmäßiger Ausdauersport.
Für die Therapie sekundärer Kopfschmerzen ist die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung entscheidend. Bei Medikamentenübergebrauchskopfschmerzen ist ein ärztlich begleiteter Medikamentenentzug notwendig.
Spezielle Situationen sind Kopfschmerzen in der Schwangerschaft und bei Kindern. Hier sollten unbedingt Spezialisten konsultiert werden.
Aussicht auf Heilung
Bei den primären Kopfschmerzerkrankungen können die Patienten in den meisten Fällen durch individuell abgestimmte konsequente Therapiemaßnahmen eine sehr gute Symptomkontrolle erreichen. Eine komplette Heilung ist leider nicht immer möglich. Bei den sekundären Kopfschmerzen hängt die Prognose direkt von der Behandlungsmöglichkeit der Grunderkrankung ab. Nicht selten ist hier eine Heilung möglich (z. B. Antibiotika-Behandlung einer Hirnhautentzündung).
Alltag
Jede Patientin und jeder Patient wird individuell im Laufe der Zeit lernen, mit der eigenen Kopfschmerzerkrankung zu leben. Wichtig sind das Wissen um die Erkrankung und die Übernahme von Eigenverantwortung. Dazu gehören die Kenntnis und das Vermeiden möglicher Auslöser für die Attacken und die Ausnutzung vorbeugender Maßnahmen. Auch Angehörige sollten informiert sein, damit sie die Symptome einordnen können und Verständnis aufbringen, wenn eine Kopfschmerzattacke auftritt.
Zusammenfassung
Häufigkeit – Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten Symptomen überhaupt, fast jeder kennt Kopfschmerzen. Allein in Deutschland gibt es circa 54 Millionen Betroffene.
Hauptsymptome – Die häufigsten Kopfschmerzarten sind Migräne und der Kopfschmerz vom Spannungstyp. Bei der Migräne kommt es zu halbseitigen pochenden Kopfschmerzen mit Übelkeit, eventuell Erbrechen sowie Lärm- und Lichtüberempfindlichkeit. Beim Kopfschmerz vom Spannungstyp treten eher dumpfe Kopfschmerzen auf, die oft den gesamten Kopf betreffen. Daneben gibt es seltenere Kopfschmerzformen, die ein sehr unterschiedliches Spektrum an Symptomen aufweisen.
Diagnostik – Die Diagnose wird meist anhand der typischen Beschwerdeschilderung und eines normalen neurologischen Untersuchungsbefunds gestellt. Apparative Verfahren (z. B. eine Bildgebung mit CT oder MRT) sind erforderlich, wenn zugrunde liegende Ursachen ausgeschlossen werden müssen.
Behandlung – Neben der Akutbehandlung der Kopfschmerzen mit Schmerzmitteln und anderen Substanzen gibt es bei wiederholt auftretenden Kopfschmerzen vorbeugende Therapien mit nicht medikamentösen Maßnahmen und Medikamenten.
Wichtig zu beachten – Erstmalige Kopfschmerzen, sehr starke Kopfschmerzen und eine Veränderung oder Verstärkung bekannter Kopfschmerzen sollten unbedingt zeitnah von einem Neurologen weiter abgeklärt werden. Auch das Auftreten neurologischer Symptome (z. B. Bewusstlosigkeit, Seh- bzw. Sprachstörung, Lähmung) ist ein mögliches Warnsignal, welches dringend ärztlicherseits untersucht werden muss.
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