Alzheimer
Vergesslichkeit, Orientierungsprobleme und Sprachstörungen sind erste Anzeichen. Heilbar ist Alzheimer nicht, doch eine frühe Therapie kann die Selbstständigkeit länger erhalten.
Autorin: Prof. Dr. Kathrin Reetz, Uniklinik Aachen
November 2025
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Häufige Fragen
Was sind die ersten Anzeichen von Alzheimer? Was ist typisch?
Typisches erstes Anzeichen ist eine zunehmende Vergesslichkeit – zum Beispiel, wenn man Termine und Namen vergisst. Mehr erfahren
Wie hoch ist die Lebenserwartung mit Alzheimer?
Man geht bei Alzheimer von einer durchschnittlichen Erkrankungsdauer von 12 bis 24 JahrenÖffnet in neuem Tab aus. Von Mensch zu Mensch kann sie aber sehr unterschiedlich sein. Mehr erfahren
Was ist der Grund für Alzheimer?
Bei Alzheimer sterben Nervenzellen und ihre Verbindungen untereinander ab. Dies geht mit einem zunehmenden Rückgang der Hirnmasse einher (Hirnatrophie). Mehr erfahren
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Symptome
Alzheimer ist eine Ursache von Demenz. Sie verursacht Probleme mit dem Gedächtnis, dem Denken und dem Verhalten.
In Deutschland leben 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz-Erkrankung – zwei Drittel leiden an Alzheimer. Für das Jahr 2050 wird die Zahl der Demenz-Betroffenen auf 2,8 Millionen geschätzt (Quelle der ZahlenÖffnet in neuem Tab).
Ursachen
Trotz intensiver Forschung sind die Ursachen und Mechanismen von Alzheimer bis heute noch nicht restlos aufgeklärt.
Bei der Krankheit kommt es zu einem Absterben von Nervenzellen und der Zerstörung ihrer Verbindungen untereinander. Dies geht mit einem zunehmenden Rückgang der Hirnmasse einher (Hirnatrophie), vor allem in bestimmten Gehirnregionen.
Bei Alzheimer-Erkrankten beobachtet man zwischen den Nervenzellen vermehrt harte, unauflösliche Ablagerungen (Plaques). Sie bestehen aus dem Eiweißbestandteil Beta-Amyloid, der im gesunden Gehirn abgebaut wird.
Im Inneren der Zellen wiederum kommt es zu einer chemischen Veränderung der sogenannten Tau-Fibrillen. Sie sind eigentlich wichtig für die Zellstruktur und den Nährstofftransport. Darüber hinaus ist weniger Acetylcholin im Gehirn von Alzheimer-Betroffenen vorhanden. Das ist ein Botenstoff, der wichtig für das Gedächtnis ist.

Risikofaktoren
Einen Teil des Risikos für eine Alzheimer-Erkrankung kann der Mensch durch seinen Alltag beeinflussen.
Für Alzheimer gibt es verschiedene Risikofaktoren. Je mehr sie bei einer Person vorliegen, desto wahrscheinlicher tritt die Krankheit bei ihr auf. Wir unterscheiden dabei beeinflussbare und nicht beeinflussbare Risikofaktoren.
Beeinflussbare Risikofaktoren bei Alzheimer sind:
- Bluthochdruck
- Übergewicht
- Hörminderung
- Rauchen
- übermäßiger Alkoholkonsum
- Depression
- Bewegungsmangel
- soziale Isolation
- Diabetes mellitus
- Schlafmangel
- niedrige Bildung
- hohes LDL-Cholesterin
- Sehschwäche
- Luftverschmutzung
- Hirnverletzung
Nicht beeinflussbare Risikofaktoren bei Alzheimer sind:
- Alter
- Geschlecht
- familiäre Vorbelastung / Genetik
Vorsorge
Bei den beeinflussbaren Risikofaktoren viel tun können. Durch regelmäßige Arztbesuche und entsprechende Behandlung können bestimmte Risikoerkrankungen behandelt werden, wie zum Beispiel Bluthochdruck oder Diabetes.
Durch einen anderen Lebensstil kann man ebenfalls viele beeinflussbare Risikofaktoren für das Auftreten von Alzheimer minimieren. Das sind zum Beispiel mehr körperliche Aktivität und eine gesunde, ausgewogene Ernährung gegen Übergewicht.
Gut sind auch gesellschaftliches Engagement gegen soziale Isolation oder Tragen eines Hörgeräts bei bestehender Hörminderung.

Verlauf
Der Krankheitsverlauf ist in der Regel langsam fortschreitend.
Die Symptome entwickeln sich in der Regel langsam und verschlechtern sich zunehmend über mehrere Jahre. Zu Beginn kann der Verlauf ganz schleichend, nahezu unmerklich sein. Im Weiteren sind zwischenzeitlich Erholungsphasen, leichte Besserungen und auch vorübergehender Stillstand möglich.
Die Alzheimer-Krankheit kann bei jedem etwas unterschiedlich verlaufen. Grundsätzlich lassen sich aber folgende Stadien einteilen, die sich am Grad der Selbstständigkeit oder am Unterstützungsbedarf orientieren:
- leichte kognitive Störung
- leichte Alzheimer-Demenz
- mittelschwere Alzheimer-Demenz
- schwere Alzheimer-Demenz
Erkrankungsdauer
Man geht bei Alzheimer von einer durchschnittlichen Erkrankungsdauer von 12 bis 24 JahrenÖffnet in neuem Tab aus. Von Mensch zu Mensch kann sie aber sehr unterschiedlich sein.
So hängt die weitere Lebenserwartung davon ab, in welchem Alter erste Symptome auftreten und die Krankheit festgestellt wird:
- Bei einer Demenzdiagnose im Alter von 85 JahrenÖffnet in neuem Tab wurde eine um rund zwei Jahre verkürzte Lebenserwartung ermittelt.
- Bei einer Diagnose mit 65 JahrenÖffnet in neuem Tab können es noch bis zu 13 Jahre Lebenserwartung sein.
Zum anderen ist wichtig, ob Begleiterkrankungen bestehen, wie zum Beispiel ein Diabetes oder die Folgen eines Schlaganfalls.
Diagnose
Für die richtige Behandlung muss immer die jeweilige Ursache geklärt werden!
Bei zunehmenden Gedächtnisstörungen wenden Sie sich am besten zunächst an Ihre Hausarztpraxis. Diese kann Sie dann an die richtige fachärztliche Praxis oder eine Gedächtnissprechstunde überweisen.
In der Regel wird dann zunächst die bisherige Erkrankungsvorgeschichte erheben. Dann findet eine körperliche Untersuchung und eine neuropsychologische Testung statt. Für die Diagnose „Alzheimer“ benötigt man zudem eine Bildgebung des Gehirns, etwa eine Positronen-Emissions-Tomographie (PET), und eine Untersuchung des Nervenwassers.

Therapie und Behandlung
Die Behandlung einer Demenz-Erkrankung umfasst ein Spektrum von medikamentösen- und nicht-medikamentösen Maßnahmen.
Es werden medikamentöse und nicht-medikamentöse Ansätze unterschieden:
Medikamentöse Behandlung
In Deutschland sind derzeit zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit vier Wirkstoffe zugelassen. Wenn zusätzlich eine Depression oder Verhaltensänderungen auftreten, können auch diese behandelt werden. Verschiedene neue medikamentöse Ansätze werden aktuell erprobt, zum Beispiel Antikörpertherapien.
Amyloid-Antikörper-Therapie
Seit dem September 2025 steht in Deutschland für Erkrankte mit einer Frühfom (leichte kognitive Störung oder leichte Demenz) der Alzheimer-Krankheit eine Amyloid-Antikörper-Therapie mit Lecanemab zur Verfügung.
Wie wirken die Anti-Amyloid-Antikörper-Therapien?
Die Amyloid-Antikörper binden an die Amyloid-Ablagerungen im Gehirn und helfen, diese abzuräumen. Die Antikörper heften sich an sogenannte Zielproteine und regen dadurch das körpereigene Immunsystem an, diese Eiweiße zu entfernen – ein möglicher Weg, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.
Für wen ist Lecanemab geeignet?
- für Erkrankte mit einer Frühform der Alzheimer-Krankheit (Schweregrad: leichte kognitive Störung – MCI – oder leichte Demenz)
- nur wenn Ablagerungen (Plaques) aus dem Eiweißbestandteil Beta-Amyloid im Gehirn nachgewiesen wurden
- wenn eine oder keine Kopie eines Gens namens Apolipoprotein E4 Gen (kein ApoE 4/4 Status) vorliegt, hierfür wird Blut für einen Gentest entnommen
- wenn in der MRT-Bildgebung des Kopfes keine relevanten Hinweise vorliegen auf eine Blutung, Durchblutungsstörungen, größere Schädigungen der Hirnstruktur oder bestimmte Erkrankungen der Blutgefäße
- wenn Erkrankte keine Mittel einnehmen, die die Blutgerinnung hemmen (sogenannte Antikoagulation)
Zudem muss die Eignung bei Vorliegen anderer zusätzlicher Erkrankungen genau geprüft werden, etwa bei hypertensiven Krisen, nach einem Schlaganfall oder bei Menschen mit einer herabgesetzten Immunantwort, allergischen Reaktionen.
Wie wird Lecanemab angewendet?
Lecanemab muss derzeit alle 2 Wochen als Infusion verabreicht werden. Des Weiteren sind regelmäßige MRT-Sicherheitskontrollen erforderlich (aktuelles MRT vor Beginn der Therapie und dann vor der 5., 7. und 14. Infusion)
Worauf muss geachtet werden?
Mögliche Nebenwirkungen können sein: Infusionsreaktionen, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Schwindelgefühl, verschwommenes Sehen, Übelkeit, Gangunsicherheit und Krampfanfälle.
Darüber hinaus finden zusätzliche MRT-Sicherheitskontrollen statt, da Bildveränderungen im MRT (sogenannte Amyloid-related Imaging abnormalities (ARIAs), es handelt sich hierbei um Hirnschwellungen und Hirnblutungen, die insbesondere zu Beginn der Therapie auftreten können).
Nicht-medikamentöse Behandlung
Um die geistigen Leistungen und Alltagsfähigkeiten zu stärken, gibt es viele therapeutische Behandlungswege. Damit lassen sich auch Verhaltensstörungen abschwächen und das Wohlbefindens verbessern. Mehr dazu erfahren Sie unter BehandlungsmöglichkeitenÖffnet in neuem Tab beim „Wegweiser Demenz“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Aussicht auf Heilung
Derzeit ist die Alzheimer-Krankheit nicht heilbar, aber behandelbar.
Alltag
Trotz Alzheimer: Der Mensch bleibt. Durch liebevolle Begleitung und das Stärken von Stärken lässt sich ein lebendiges Leben gestalten.
Wie geht es jetzt weiter? Das ist eine der ersten, oft unausgesprochenen Fragen. Es ist ein Moment, der Angst machen kann – aber auch ein Moment, in dem Mut wachsen darf.
Der Menschen bleibt
Alzheimer verändert das Leben. Aber es nimmt nicht sofort alles, was den Menschen ausmacht. Erinnerungen mögen verblassen, der Alltag sich verändern – doch der Mensch bleibt. Mit all seinen Gefühlen, seinem Bedürfnis nach Nähe, Selbstbestimmung und Würde.
Trotz der Diagnose ist ein Leben mit Sinn, Freude und Verbindung möglich. Es gibt viele Momente, die zeigen: Die Krankheit mag das Gedächtnis berühren – aber nicht das Herz.
Früh mit der Krankheit auseinandersetzen
Gerade deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Wer mehr über Alzheimer weiß, kann Wege finden, um mit ihr zu leben – und nicht nur gegen sie.
Kleine Veränderungen im Alltag, Routinen, liebevolle Unterstützung und Geduld helfen dabei, Orientierung zu geben. Wer versteht, was gerade geschieht, kann bewusster handeln. Wer lernt, mit der Krankheit zu leben, bleibt aktiv – im eigenen Tempo, mit eigener Stimme.
Stärken stärken, Schwächen schwächen
Ein guter Weg ist es, die eigenen Stärken bewusst auszubauen – und mit den Schwächen möglichst gelassen und kreativ umzugehen. Was gut gelingt oder Freude macht, darf und soll intensiviert werden. Ob Musik, Bewegung, Kochen oder das Erzählen von Geschichten – das, was leicht fällt, schenkt Selbstvertrauen und Lebensfreude.
Zusammen alternative Wege gehen
Gleichzeitig ist es wichtig, mit den Einschränkungen liebevoll umzugehen – nicht als persönliches Scheitern, sondern als Teil der Krankheit. Statt sich zu frustrieren, lohnt es sich, alternative Wege zu suchen, um Schwierigkeiten zu umgehen oder zu mildern.
Alzheimer nimmt viel, aber es gibt Wege, Selbstbestimmung zu erhalten und neue Formen von Alltag und Nähe zu gestalten. Dieser Weg ist nicht einfach – aber niemand muss ihn allein gehen. Gemeinsam können wir Möglichkeiten entdecken, das Leben mit Alzheimer würdevoll, warm und lebendig zu gestalten.
Was kann ich selbst tun?
Auch wenn Alzheimer vieles verändert, gibt es vieles, was man selbst in der Hand behalten kann. Der Alltag muss nicht perfekt funktionieren – wichtig ist, dass er Sicherheit, Vertrautheit und kleine Erfolgserlebnisse ermöglicht.
Struktur gibt Halt. Feste Tagesabläufe, wiederkehrende Rituale und vertraute Umgebungen helfen, sich zu orientieren. Auch kleine Listen, Kalender oder Erinnerungsstützen können im Alltag entlasten.
Bleiben Sie aktiv – auf Ihre Weise. Bewegung, frische Luft, Musik, gemeinsames Kochen oder einfache Handarbeiten können viel Lebensfreude schenken. Es geht nicht um Leistung, sondern um Teilhabe und Freude an vertrauten Tätigkeiten. Tun Sie mehr von dem, was gut gelingt – denn Stärken zu stärken kann den Alltag heller machen.
Sprechen Sie über Ihre Gefühle. Der Austausch mit vertrauten Menschen, mit Angehörigen oder in Selbsthilfegruppen kann entlasten. Auch das Schreiben oder kreative Ausdrucksformen helfen, Gefühle zu verarbeiten.
Akzeptieren Sie Unterstützung. Hilfe anzunehmen, bedeutet nicht Schwäche – es bedeutet Stärke. Frühzeitige Beratung, Alltagshelfer oder Pflegeunterstützung können Freiräume schaffen und den Alltag erleichtern.
Lassen Sie sich nicht entmutigen. Jeder Tag ist neu. Nicht jeder wird einfach sein – aber in vielen steckt ein kostbarer Moment: ein Lächeln, ein vertrauter Blick, ein Augenblick der Nähe. Diese Momente zählen. Und je mehr man Schwächen schwächt – etwa durch Hilfsmittel, Geduld und liebevolle Begleitung – desto mehr Raum bleibt für das, was guttut.
Zusammenfassung
Häufigkeit – rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz leben in Deutschland, zwei Drittel davon haben Alzheimer (Quelle der ZahlenÖffnet in neuem Tab).
Hauptsymptome – erworbene und zunehmende Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit
Diagnostik – neuropsychologische Testung, Nervenwasser und Bildgebung des Gehirns
Behandlung – medikamentöse und nicht medikamentöse Therapien
Wichtig zu beachten – es gibt über 50 verschiedene Ursachen einer kognitiven Störung/Demenz, daher sollte IMMER die Ursache geklärt werden, da sich hiernach die Therapie entscheidet!
Videos
Downloads
Mehr zu Alzheimer bei anderen verlässlichen Quellen:
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)Öffnet in neuem Tab
- Bundesministerium für GesundheitÖffnet in neuem Tab
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und JugendÖffnet in neuem Tab
- Alzheimer Forschung InitiativeÖffnet in neuem Tab
- Deutsche Alzheimer GesellschaftÖffnet in neuem Tab
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