15.10.2021

Tipps zu Migräne, Spannungs- und Clusterkopfschmerz

In Deutschland leiden etwa 54 Millionen Menschen an Kopfschmerzen. Die Symptome reichen von gelegentlichen Spannungskopfschmerzen über häufige Migräne bis hin zu chronischem Clusterkopfschmerz. Wir geben Tipps, wie man am besten damit umgeht.

Spannungskopfschmerz

So erkennen Sie Spannungskopfschmerz

Für den Kopfschmerz vom Spannungstyp sind dumpfe drückende Schmerzen typisch. Sie betreffen oft den gesamten Kopf und legen sich wie ein Ring um den Schädel. Die Ursache von Spannungskopfschmerzen ist unbekannt. Verspannte Muskeln sind es meist nicht, anders als der Name nahelegt.

Tipps zum Umgang

  • Vielfach gehen Spannungskopfschmerzen allein weg. Hilfreich sind ausreichende Arbeitspausen, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Trinken. Kurzfristig können rezeptfreie Schmerzmittel helfen.
  • Treten die Schmerzen häufiger auf, schauen Sie, woran es liegen könnte. Bei mangelnder Bewegung kann leichter Ausdauersport hilfreich sein. Auch Übungen zur Entspannung helfen, wie zum Beispiel Progressive Muskelentspannung, Meditation oder Yoga.
  • Häufigen Schmerzen lässt sich am besten mit einer multimodalen Kopfschmerztherapie und mit speziellen Medikamenten vorbeugen.
  • Bei chronischen Beschwerden empfiehlt sich zudem eine Verhaltenstherapie. Chronisch nennt man Spannungskopfschmerzen, die an mindestens 180 Tagen jährlich über mehrere Stunden auftreten.

Hier erfahren Sie mehr zu Spannungskopfschmerz und die Namen von speziellen Medikamenten.

Wichtig zu beachten

Wer zum ersten Mal Kopfschmerzen hat, sollte zeitnah zum Arzt gehen. Das gilt auch, wenn man sehr starke Beschwerden hat und bekannte Schmerzen sich verändern oder verstärken. Ein dringendes Warnsignal sind neurologische Symptome, wie Bewusstlosigkeit, Lähmung, Seh- oder Sprachstörung.

Migräne

So erkennen Sie Migräne

Bei Migräne kommt es zu halbseitigen Kopfschmerzen mit Übelkeit, eventuell Erbrechen sowie Überempfindlichkeit gegen Lärm und Licht. Migränepatientinnen möchten am liebsten schlafen und Aktivitäten verstärken Migräne eher. Etwa 20 Prozent der Betroffenen haben zusätzlich eine sogenannte Aura, die meist in Form von Sehstörungen den Kopfschmerzen vorausgeht. Erste Attacken können im Kindesalter auftreten. Insgesamt kann eine Migräne über das gesamte Leben vorkommen.

Tipps zum Umgang

  • Die Behandlung einzelner Migräne-Attacken erfolgt oft mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln, vorzugsweise kombiniert mit einem Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen.
  • Hilft das nicht ausreichend, gibt es migränespezifische Medikamente. Sie wirken bei den allermeisten Betroffenen sehr gut und sind gut verträglich.
  • Hat man häufig Migräne und wird dadurch die Lebensqualität beeinträchtigt, kann die Kopfschmerzhäufigkeit mit vorbeugenden Medikamenten reduziert werden. Sie können bereits ab drei Migräne-Tagen im Monat sinnvoll sein. Die häufigsten sind Betablocker oder Substanzen, die auch zur Behandlung von Epilepsie oder Depressionen eingesetzt werden.
  • Als sicherer Standard in der Vorbeugung hat sich zudem die Gruppe der sogenannten CGRP-Antikörper etabliert.

Mehr zu Migräne und die Namen von eingesetzten Medikamenten erfahren Sie hier.

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Beugen Sie vor

Migräne kommt oft gehäuft in Familien vor. Sie hat wahrscheinlich auch eine genetische Komponente, die zusammen mit weiteren Faktoren eine Neigung zu Migräne verursachen kann. Hierauf sollten Betroffene achten:

  • einen guten Umgang mit Stress und genügend Freiräume im Beruf als auch privat
  • Phasen bewusster Entspannung, etwa mithilfe von Progressiver Muskelentspannung, Meditation oder Yoga
  • ausreichend Bewegung, am besten als moderater Ausdauersport von mindestens 30 Minuten an fünf Tagen pro Woche – man soll ins Schwitzen kommen
  • genügend Schlaf und Flüssigkeit sowie regelmäßige Schlaf- und Essenszeiten
  • das Vermeiden von Alkohol und bestimmten Nahrungsmitteln, wenn man sie als Migräneauslöser identifiziert hat

Hier finden Sie mehr Tipps zum Vorbeugen.

Extratipp: Kopfschmerz-Tagebuch

Schreiben Sie sich regelmäßig in einer Art Tagebuch auf, was vor einer Kopfschmerz- oder Migräne-Attacke geschehen ist. Was haben Sie gegessen, getrunken oder unternommen? Haben Sie Medikamente eingenommen? Hatten Sie Stress? So lässt sich mit der Zeit rausfinden, ob es einen Zusammenhang gibt. Am besten notieren Sie auch, wie schwer und lang ein Anfall war. Ergänzend zu anderen Maßnahmen können Sie dann gezielt vermeiden, was bei Ihnen Schmerzen auslöst. Eine moderne Variante des Schmerz-Tagebuchs sind Handy-Apps, die Sie immer dabeihaben. Diese können auch hilfreiche Tipps geben und Sie warnen, wenn Sie zu oft Medikamente einnehmen.

Clusterkopfschmerz

So erkennen Sie Clusterkopfschmerz

Patienten mit Clusterkopfschmerz haben während einer Attacke sehr heftige Schmerzen in der Augen- und Schläfengegend einer Gesichtshälfte. Begleitende Symptome sind ein gerötetes und tränendes Auge, eine verstopfte Nase, ein geschwollenes Augenlid und vermehrtes Schwitzen der betroffenen Gesichtshälfte. Attacken dauern nur Minuten bis wenige Stunden, sind aber sehr schmerzhaft. Der Clusterkopfschmerz tritt meist gehäuft in Phasen auf mit nahezu täglichen, oft mehrfachen Attacken über Wochen bis Monate. Diese Häufung, auf Englisch „Cluster“, war für diese Kopfschmerzen namensgebend.

Tipps zum Umgang

  • Clusterkopfschmerz ist in vielen Fällen sehr gut durch eine spezielle Therapie in den Griff zu bekommen. Frei verkäufliche Schmerzmittel helfen hier nicht.
  • Um Attacken zu behandeln, wird meist Sauerstoff eingesetzt, den man über eine Maske einatmet. Das beendet bei etwa 70 Prozent der Betroffenen den Anfall. Daneben wirken Migräne-Medikamente als Nasenspray oder Spritze.
  • Für die Zeiten zwischen den Attacken gibt es Medikamente, die vorbeugen und idealerweise die Cluster-Serie beenden.

Hier erfahren Sie mehr zu Clusterkopfschmerz und die Namen von eingesetzten Medikamenten.

Beugen Sie vor

Wie bei der Migräne haben Betroffene beim Clusterkopfschmerz vieles mit in der Hand. Während einer aktiven Phase der Krankheit kann es ratsam sein, auf folgendes zu verzichten:

  • Rauchen und Alkohol
  • gefäßerweiternde Substanzen
  • Aufenthalt in großen Höhen

Achtung: Haushalten Sie gut mit Schmerzmitteln!

Zu viel Schmerzmedikamente verstärken über längere Zeit die Beschwerden und können sogar Kopfschmerzen auslösen. Die Attacken werden dabei immer länger und man muss immer mehr Medikamente nehmen. Um diesem Effekt vorzubeugen, liegt die Höchstgrenze von Kopfschmerzmedikamenten bei 10 Tagen pro Monat und drei Tagen hintereinander.

Wenn Sie über diese Grenze kommen, kann das ein wichtiger Hinweis sein. Haben Sie mehr Stress im Beruf? Schlafen Sie schlechter? Sollte die Kopfschmerzbehandlung vielleicht angepasst werden? Um den Überblick zu behalten, können Sie in Ihrem Schmerz-Tagebuch (Extra-Tipp oben) festhalten, wann Sie wie viel Schmerzmittel genommen haben.

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Titelbild: fizkes via canva.com

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