11.04.2021

Parkinson: Neue Therapie erfolgreich

Mit Ultraschall lassen sich die motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit deutlich verbessern. Das zeigt eine neue wissenschaftliche Studie. Der Schall wirkt von außen und ähnlich gut wie ein „Hirnschrittmacher“, für den eine Operation nötig wäre. Die positiven Studienergebnisse lassen hoffen, dass das Verfahren intensiver erforscht und breitere Anwendung finden wird.

Die Ultraschallmethode schaltet gezielt die Fehlfunktionen betroffener Gehirnzellen aus. Dazu wird der Schall millimetergenau in den Subthalamus geleitet. Das ist ein Teil des Gehirns, der vor allem für die Steuerung der bei Parkinson beeinträchtigten Grobmotorik zuständig ist. Von ihm leitet sich der Name der Methode ab: Ultraschall-Subthalamotomie. Sie erfolgt unter ständiger Steuerung und Kontrolle mittels Magnetresonanztomografie (MRT), oft auch Kernspintomografie genannt.

Ohne Operation

Die Schallwellen-Behandlung ist im Gegensatz zum Hirnschrittmacher ohne Operation möglich, wo man Elektroden im Gehirn implantiert. Gleichzeitig kann der Ultraschall aber ähnlich wirkungsvoll Parkinson-Symptome lindern. Das zeigt eine Studie, die Ende 2020 im angesehenen „The New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde. „Die Wirkung des Verfahrens war in dieser Studie beeindruckend, die Symptomlast konnte nahezu halbiert werden“, sagt Prof. Dr. med. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung. „Auch die meisten Nebenwirkungen waren nach einiger Zeit beherrschbar.“

Experimentelles Stadium

Noch ist die Ultraschall-Subthalamotomie eine experimentelle Therapie, die nur an wenigen Zentren und meistens nur im Rahmen von Studien durchgeführt werden kann. Bisher sind weltweit etwa 3.000 Patienten so behandelt worden. In Deutschland erforschen den Einsatz derzeit die Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Bonn und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein am Standort Kiel.

Forschung bringt Fortschritte

„Auf Basis der publizierten Daten halten wir das Verfahren für aussichtsreich und zukunftsweisend“, sagt Erbguth. „Dieser Erfolg ist ein Beispiel für die vielen Fortschritte, die die Neurologie in den letzten Jahren erreicht hat.“ Die Deutsche Hirnstiftung unterstützt selbst neurologische Forschungen und informiert Betroffene frühzeitig über vielversprechende Behandlungsinnovationen.

Weitere Studien nötig

Im Fall der Ultraschall-Subthalamotomie sind weitere größere Studien erforderlich, um das Verfahren im Detail weiter zu erforschen und abschließend im Hinblick auf Wirkung und mögliche Risiken zu beurteilen. Die vorliegenden Daten könnten dazu führen, dass das Verfahren „noch dynamischer und intensiver erforscht wird und eine breitere Anwendung erfahren kann“, so der Präsident der Deutschen Hirnstiftung.

„Symptom-Score“ halbiert

40 Patienten waren in die aktuelle Studie eingeschlossen. 27 hatten die Ultraschall-Therapie erhalten, die anderen 13 als Kontrolle ein Scheinverfahren. Die Patienten wussten nicht, ob die tatsächliche Ultraschalltherapie oder die Scheinprozedur zum Einsatz kam. Behandelt wurde jeweils die Gehirnhälfte, die der Körperhälfte mit den schwersten Symptomen gegenüberlag. Der sogenannte Symptom-Score halbierte sich in der Behandlungsgruppe nach vier Monaten: Er sank signifikant von ursprünglich 19,9 auf 9,9 Punkte. In der Kontrollgruppe verbesserte sich der Ausgangswert nicht wesentlich.

Nebenwirkungen beherrschbar

Allerdings kam es bei den mit Ultraschall behandelten Patientinnen und Patienten direkt nach dem Eingriff auch zu Nebenwirkungen. So traten beispielsweise bei insgesamt zwölf von den 23 Studienteilnehmern Überbeweglichkeiten auf, bei 15 Sprechstörungen und bei fünf eine Schwäche der behandelten Körperseite. Nach vier Monaten hatten sich diese Nebenwirkungen jedoch deutlich zurückgebildet: Nur noch vier Patienten zeigten Zeichen der Überbeweglichkeit. Über Sprechstörungen klagten nur noch drei und über eine Schwäche der behandelten Körperseite nur noch zwei.

Alternative Hirnschrittmacher

Seit einigen Jahren kann Betroffenen bei schweren Verläufen auch ein sogenannter Hirnschrittmacher eingesetzt werden. In der Fachsprache heißt das Verfahren tiefe Hirnstimulation: Dabei werden in einem neurochirurgischen Eingriff Elektroden in bestimmte Steuerzentren des Gehirns implantiert. Die Wirkung ist sehr gut. Die Betroffenen gewinnen oft mehrere Jahre, in denen sie unter deutlich geringeren Symptomen leiden. Dem gegenüber steht oft allerdings die Angst der Patienten und ihrer Angehörigen vor dem chirurgischen Eingriff.

Therapieerfolg von Medikamenten begrenzt

Die typischen motorischen Parkinson-Symptome (Zittern, Verlangsamung von Bewegungen und Muskelsteifheit) beeinträchtigen die Lebensqualität von Betroffenen enorm. Darüber hinaus tragen diese Zeichen der Erkrankung auch zur Stigmatisierung bei: Vor allem das Zittern und die „eingefrorenen“ Bewegungen lassen sich nicht verstecken und verraten die Erkrankung, was für die Parkinson-Patienten psychisch extrem belastend sein kann. Medikamentöse Therapien können zwar die Symptome teilweise lindern. Aber mit dem Fortschreiten der Erkrankung lässt häufig auch der Therapieerfolg der Medikamente nach.

Zum Welt-Parkinson-Tag am 11. April hat die Deutsche Hirnstiftung ihr Informationsangebot zum Thema Parkinson erweitert. Sehen Sie hier unser kurzes Erklärvideo:

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