23.03.2021

Dem Kopfschmerz davonlaufen: Ausdauersport hilft gegen Migräne

Kopfschmerz? Tablette! Diese „einfache“ Lösung ist oft naheliegend und auch nicht immer zu vermeiden – sie kann aber in einen gefährlichen Teufelskreis führen, denn zu häufig eingenommene Schmerztabletten können auch Kopfschmerzen auslösen. Wichtig ist daher, durch andere Maßnahmen Kopfschmerzhäufigkeit und -stärke so zu senken, dass eine Tabletteneinnahme an allerhöchstens zehn Tagen im Monat notwendig ist. Durch regelmäßigen Ausdauersport kann das gelingen!

Laut Angaben der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft leiden rund zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung an Migräne. Im Erwachsenenalter sind Frauen etwa dreimal häufiger betroffen als Männer. Bei Kopfschmerzen erfolgt oft viel zu schnell der Griff zur Schmerztablette, weshalb viele Menschen an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerzmittel einnehmen.

Nur Schmerzmittel auf Dauer keine gute Lösung

Was viele nicht wissen: Die häufige Einnahme von Schmerztabletten kann sogar Kopfschmerzen auslösen – und am Ende weiß man dann gar nicht mehr, was ist Henne, was Ei. Das gilt auch in der Migräne-Therapie. Sogenannte Triptane, bewährte Migräne-Medikamente, können bei mehr als zehn Einnahmetagen pro Monat über mindestens zwölf Wochen „Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerzen“ auslösen. Betroffene sollten also alles daransetzen, die Notwendigkeit zur Einnahme von Schmerzmitteln zu reduzieren.

Unterstützende Alternativen nutzen

Nicht medikamentöse Maßnahmen, die die Kopfschmerzhäufigkeit nachgewiesenermaßen verringern, werden hingegen oft nicht konsequent umgesetzt. Dabei helfen Ausdauersport, Entspannungstechniken und Stressbewältigung nachweislich gegen Spannungskopfschmerz und Migräne. Bei vielen Betroffenen lässt sich dadurch die Notwendigkeit der Medikamenteneinnahme auf ein „gesundes“ Maß reduzieren.

Sport mit Bedacht

Ein probates Mittel, um Anfallshäufigkeit und -stärke günstig zu beeinflussen, ist regelmäßiger aerober Ausdauersport. „Aerob“ heißt, dass Sauerstoffbedarf und Sauerstoffzufuhr sich die Waage halten, man also nicht völlig außer Atem gerät. In der Regel ist das der Fall, wenn 50–70 % der maximalen Herzfrequenz erreicht werden. Eine Pi-mal-Daumen-Regel lautet: Wer sich während des Sports noch unterhalten kann, ist im aeroben Bereich, wer nur noch japsend nach Luft schnappt, ist bereits im anaeroben Bereich – und dieses Training ist für die Vorsorge gegen Kopfschmerzen und Migräne nicht mehr effektiv.

Regelmäßigkeit wichtig

Egal ob Sie laufen, walken, Rad fahren oder schwimmen – Hauptsache ist, dass Sie es moderat angehen, aber mit konsequenter Regelmäßigkeit. Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) empfiehlt Erwachsenen, wöchentlich insgesamt mindestens 150 Minuten ein moderates Ausdauertraining zu absolvieren, beispielsweise drei Trainingseinheiten à 50 Minuten oder vier à 40 Minuten.

Durchhalten zahlt sich aus

Die Effekte des Sports wirken allerdings erst mittel- und langfristig – wer heute zum ersten Mal trainiert, kann nicht erwarten, dass der morgige Migräne-Anfall ausbleibt. Wer aber über mehrere Monate konsequent Sport treibt, wird merken, dass die Anfälle weniger häufig und weniger stark werden. Durchhalten zahlt sich also aus!

Auslöser noch ein Rätsel

Unklar ist, ob Ausdauersport direkt oder indirekt auf den Kopfschmerz wirkt, also ob durch Sport spezifische, kopfschmerzhemmende Prozesse im Körper ausgelöst werden oder ob die nachweislich positiven Wirkungen auf die Migräne aus einem allgemeinen körperlichen „Entspannungseffekt“ resultieren. Diskutiert wird auch, dass die positive Wirkung auf die Migräne damit zusammenhängen könnte, dass die Patientinnen und Patienten während eines wochenlangen regelmäßigen Sporttrainings in der Regel Körpergewicht verlieren.

Was auch immer der Grund für die positiven Effekte des Sports auf die Migräne sein mag – sie sind wissenschaftlich nachgewiesen und jeder Betroffene tut gut daran, diese Form der wirksamen Prophylaxe auszuschöpfen!

Haben Sie Fragen wie diese zu neurologischen Erkrankungen? Wir beraten Patienten und Angehörige unabhängig und kostenfrei unter Tel. 030 / 531 437 936, im Online-Chat und am Expertentelefon. Zur Beratung

Weitere Artikel zu Aktuelles Übersichtsseite