08.02.2021

Der „Mozart-Effekt“ bei Epilepsie

Verschiedene Studien deuten auf einen positiven Effekt der Musik von Mozart auf die Anfallshäufigkeit bei Menschen mit Epilepsie hin. Etwa 0,5–1 % der Bevölkerung sind von dieser Erkrankung in Deutschland betroffen, das sind also 40.000 bis 80.000 Patientinnen und Patienten. In einer Vergleichsstudie sank die Anfallshäufigkeit nach drei Monaten um 35 % durch tägliches Hören des sechsminütigen Anfangs einer Mozart-Sonate.

Musik hat bei vielen Erkrankungen positive Effekte und kann u. U. sogar die Heilung begünstigen – nicht umsonst wird in vielen Bereichen mit Musiktherapie gearbeitet. Klassischer Musik wird eine besonders ausgeprägte Wirkung auf das vegetative Nervensystem zugesprochen, sie beruhigt die Atmungs- und Herzfrequenz, senkt den Stresshormonspiegel und sogar den Blutdruck.

1993 wurde erstmals der sogenannte Mozart-Effekt beschrieben – demnach verbessere sich bereits nach zehnminütigem Hören von Mozart-Sonaten zumindest kurzzeitig die Gehirnfunktion, genauer gesagt: die räumliche Intelligenz („spatial intelligence“), also die Befähigung, die visuell-räumliche Umgebung zu erfassen und sich in ihr zu orientieren. Musik von Mozart führt offensichtlich zu einer besseren Durchblutung der Hirnareale, die für diese Fähigkeit von Bedeutung sind. Es ist daher nicht erstaunlich, dass der Mozart-Effekt bei vielen neurologischen Erkrankungen untersucht wurde – bei M. Parkinson, Demenz, auch bei Epilepsie.

Verschiedene Studien deuten auch auf einen positiven Effekt der Musik des Barockkomponisten bei Epilepsie hin – offensichtlich kann die Anfallshäufigkeit reduziert werden. Das zeigten schon mehrere Beobachtungsstudien in den vergangenen 20 Jahren. Eine kürzlich publizierte kontrollierte randomisierte Studie [1] bestätigte nun dieses Ergebnis: Die Patienten waren in zwei Gruppen aufgeteilt worden, von denen die eine über drei Monate jeden Tag die ersten sechs Minuten von Mozarts Sonate für zwei Klaviere in D-Dur hörte, die andere Gruppe ein nicht rhythmisches, aber im Hinblick auf die spektrale Zusammensetzung ähnliches Stück. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Anfallshäufigkeit durch das tägliche Hören der Mozart-Sonate um 35 % im Vergleich zur Kontrollgruppe gesenkt werden konnte. Zuvor hatte eine Studie den Effekt der gleichen Sonate an Kindern mit Epilepsie untersucht und war zu einem ganz ähnlichen Ergebnis gekommen – es konnte sogar während des Hörens ein antiepileptischer Effekt der Musik im EEG (Elektroenzephalographie) der Kinder nachgewiesen werden.

Das zeigt: Die Musik von Mozart geht nicht nur ins Ohr, sondern auch in den Kopf und macht da etwas mit uns, das epileptischen Anfällen entgegenwirkt. Wer nicht klassikaffin ist und glaubt, dass dieser Effekt auch bei anderen Musikarten oder Komponisten zum Tragen kommt, sei gewarnt: Nachgewiesen ist der Effekt nur für Mozart. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass es die musikogene Epilepsie gibt, die zu den Reflexepilepsien zählt und bei der die Anfälle durch Musik ausgelöst werden – also nicht jede Musik ist Menschen mit Epilepsie gleichermaßen zuträglich.

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[1] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1281386/

[2] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1059131117305940

Weitere Quellen:

https://www.aerzteblatt.de/archiv/152514/Heilkraft-der-klassischen-Musik-Bach-und-Mozart-gegen-Bluthochdruck

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